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monjaschuenemann

Leben von der Stange?

Ich soll eine Zahnspange bekommen und halte das für eine gute Idee. Es sieht einfach nicht dolle aus, wenn Deine Schneidezähne 5 Minuten vor Deinen Lippen um die Ecke kommen. Die Zahnärztin findet das auch. Die Zahnarzthelferin aber hat mit meinen Schneidezähnen ganz andere Probleme, und deshalb rief sie an. „Sie sind oft im Ausland? Warum?“ Ich finde ja, das geht sie gar nichts an und frage meinerseits: warum? Die Frage wiederum irritiert sie. „Dann können wir das nicht machen!“ Warum? Na, weil Sie im Ausland sind!“

??????????????????????wtf?????????????????????????????? <-! Ich lese ihre Gedanken. Ich nehme an, sie nimmt an, ich wohne heimlich in Südamerika und betreibe eine Kaffeeplantage. Heimlich züchte ich dort Reptiloiden. Und dünge mit Chemtrails. Dorthin würde ich dann mit meiner neuen Zahnspange flüchten, und Deutschland nie mehr betreten, solange, bis die Zähne gerade sind. Nein, das kann nicht der Grund sein. Ich komme nicht drauf. Also frage ich nochmal nach,was sie das anginge. Sie müssten es wissen! sagt sie. Ich forsche. Was ich denn forsche? Scholastische Medizin, weshalb? Hat sie Bedarf, bekommt sie etwa keine Fortbildungen? Ein ewiges Hin-und Her, bis die Gute mal begreift, dass ich ganz regulär in meiner Heimat lebe und mich nicht heimlich nach Irgendwoland absetzen werde. Ihr Problem ist dabei ein ganz anderes.

Es gibt diese Leben von der Stange. La deutsche Vita. Konfektionsgröße quasi. Mit 16 kommst Du von der Schule, lernst einen Beruf, heiratest, bekommst Kinder und backst Sonntags Kuchen bis ins Grab. Alle Jahre fährst Du nach Mallorca, setzt Dich in einen Betonbunker und findest das schön. Am Abend schaust Du RTL II. Oder so…(ich weiß es nicht genau). Bei Verfechtern vom Leben von der Stange, kommen Veränderungen nicht vor. Höchstens mal ne Scheidung. Was sollen denn die Leute denken? Alles, was davon abweicht, ist nicht vorstellbar.

Das ist „die Norm“. Die Norm ist großer Bullshit, denn das Leben ist keine Generalprobe für das Leben danach. Das Leben darf nie Konfektion sein, sondern muss eine Maßanfertigung sein. Jede einzelne Delle an Deinem Arsch (ja!) muss sich darin wohlfühlen. Denn es kann zu Situationen kommen, wo Du nur noch das hast: die Erinnerung. Und manchmal bleiben nicht mal die (Stichwort Demenz). Wozu also leben wie alle? Es geht doch andere einen Scheißdreck an und ich finde es krank, mich erklären zu müssen.

Ich habe viel gute Zeit meines Lebens damit verschwendet, eine Freundin zu beraten, wie sie ihre Pläne in die Tat umsetzt. Das tat sie nie. Das Planen hat ihr gereicht. Zufriedener wurde sie nie. Wie auch? Auf der Suche nach Hindernissen, die für jeden unterschiedlich sein können, verplempert man viel Zeit. Und die ist begrenzt, soviel steht fest. Ich habe eine Bekannte, die ist Fußballtrainerin. Im Rollstuhl! Warum? Weil sie es kann! Ich treffe viele Kollegen, die sagen: Ja, würde ich auch gerne machen…. ABER. Was für ein ABER? Ich denke, meistens gibt es eine Lösung. Für was auch immer. Außer, für die wichtigen Dinge wie weiblichen Haarausfall oder Flecken von Tomatensoße auf weißen Blusen vor einem meeting. Aber alles andere?

In meiner Familie war Risikokalkulation ein großes Thema. Alles wurde beleuchtet. Das waren Kriegstraumen. Wer nichts hat, konnte nichts verlieren. Blöde Idee. Man kann immer etwas verlieren. Wozu also die Kalkulation? Irgendwer hat doch Menschen befähigt, sich alles zu nehmen, alles zu erreichen, was man möchte. Wer sollte denn die Selektion treffen, für das, was „geht“ und das „was nicht geht“? Das kann man nur selber. Es gibt kein verdammtes Limit. Gleichzeitig sind gerade Leben-von-der-Stange-leber oft so unzufrieden, dass es ihnen wohl gut täte, wenigstens einmal etwas zu ändern. Das brachte mir oft Kritik ein. Und es war eigentlich lächerlich. Miesepetriger Mist.

  • ich hänge beim Umzug zuerst Gardinen auf. Das ist „verkehrt herum“ – tut mir aber gut. So what? An die Wand müssen sie ja eh.
  • ich bekam meine Kinder während meiner Ausbildung. „Das wird nie was!“ habe ich mir anhören müssen. Aber da spiegelten nur geistig limitierte Leute ihr eigenes Unvermögen.
  • „Man KANN als MUTTER keinen Motorradführerschein machen!“. Doch, kann man.
  • Man kann nach der Schule nie wieder lernen. Man ist raus! (ach, komm, das ist lächerlich)
  • WOZU? Das führt doch zu nix! (das sieht man dann am Ende, nicht am Anfang)
  • Man kann doch nicht einfach in ein anderes Bundesland ziehen! (doch, die sprechen da sogar unsere Sprache)
  • Eine Frau hat bei der Feuerwehr nichts zu suchen! (ich hatte aber 2 Arme und 2 Beine – was also unterschied mich von den Herren? Nix)

Man sieht also, es sind wirklich lächerliche Dinge, die es damals zu besprechen gab.

Ich finde es unvernünftig, dass die „Normalen“ die Norm setzen. Die Unnormalen sollten die Norm sein, damit die Normalen wissen, wann man davon abweichen kann, ohne unterzugehen. Die nicht Normalen bringen die Welt weiter. Die Konfektionsleber stagnieren. Es gibt in der Welt so geiles Zeug zu sehen, zu riechen, zu erfahren. Kein Mensch sollte sich damit begnügen, aus der Dose zu leben – es reicht doch, wenn man manchmal aus der Dose essen muss. Das ist hart genug. Lasst Euch nicht einschüchtern. Macht doch einfach, was ihr wollt.

Diese Zahnspangengeschichte brachte mich in sofern zum Schmunzeln, als dass ich mich fragte, was geschehen wäre, wenn ich nicht einfach nur n Berg und n paar Burgen angucken fahren würde, sondern.. hahahhahaha… zum Beispiel Kernforscherin bei Cern in der Schweiz wäre und eine Uranlieferung erwartet hätte :-D. Oder Astronautin! (Aber nur bis zum Mond, ja, sonst können wir das nicht machen! Nicht dieses One-way zum Mars ja? Was machen Sie im All??) Oder Biologin für Virenforschung! (Oh MAIN GOAAD!).

Protipp: wenn Euch jemand erklärt, man mache das so nicht (was auch immer), ist das ein sehr gutes Zeichen dafür, dass das genau so richtig ist!

Papst Pius II. – mein Kofferretter!

Geschichte? (entsetztes Augenaufreißen) Was kann man denn damit? Die Frage stelle ich mir noch oft und bekomme sie noch häufiger gestellt. Reich und berühmt werden – meistens nicht. Aber es ist, wie so oft im Leben – man muss auf das Gute zugehen und dran glauben.

Drauf zugegangen bin ich heute auch nochmal – und zwar auf die mehr oder minder netten Leute von Lufthansa. Die, die meinen Koffer, von der gefühlten Größe eines Einfamilienhauses irgendwie vergessen haben. „Hmmmmm….. „, sagte die Dame“…. hmmm.. da ist ein Stratic in München! “ Aufgeregtes Herzklopfen! Ob denn irgendwas besonderes an ihm sei? Nein, es war ja noch ein ganz junger Koffer. Auf seiner ersten Reise. Keine coolen Aufkleber, keine coolen Bändchen. Nichtmal n Kratzer.

Was denn drin wäre? Naja, was ist in so nem Koffer drin? Wäsche. Ich kann zwar jedes Teil beschreiben aber ob das Vergnügen bei dem hervorruft, der ihn durchwühlen muss? Ein Schminkkoffer …von der gefühlten Größe einer Hundehütte. Auch nicht ergiebig. Und Ohrenstäbchen, die alle lose rumfliegen, weil doch alles so schnell gehen musste. 200 Q-Tips zwischen Wäsche. Und die Nicht ganz so geheime Geheimzahl… am Schloss.

Kann aber auch Zufall sein. Aber dann fiel es mir wieder ein: Mein Pius Buch! Mein Pius Tuch! Also ein Tuch, mit einem geometrischen Muster der Piccolominibibliothek in einem roten Pappschächtelchen. Und ein Buch. Es heißt „Comentarii“ und ist von Pius II. Die Dame fragte nochmal nach. Ja, Pius..P-I-U-S… das war ein Papst, so 1460-70, wissen Sie? Nein, weiß sie nicht. Ist aber nicht schlimm. Es hat Eselsohren. Wie alle meine Bücher. Und Karten mit einer Stundenbuchseite einer florentinischen Hore. Einer was? Ja, also so Karten mit mittelalterlichen Buchseiten drauf… und einer Miniatur von Maria in der Initiale. Ich höre die Frau seufzen. die schreibt nämlich alles auf. Bestimmt denkt sie: wo sind die Normalen abgeblieben? Die mit Victoria-Secret-Wäsche und den Büchern „Darm mit Charme“ im Gepäck? Oder Kondomen? Oder Gummibärchen? Ja, es tut mir auch wirklich leid, aber das hat ja jeder.  Unterm Strich bleibt also nicht viel (was mich von anderen unterscheidet im Gepäck) außer kruden Büchern und Dingen, die bei anderen vielleicht eher kein Kopfkino hervorrufen. Man beschloss, den Münchener Koffer öffnen zu lassen. Man wollte sich wieder melden. Das geschah nicht. Murphys Law.

Am Abend schaute der Gatte dann in den Account. „Gepäckstück ermittelt. Bitte warten Sie auf Bestätigung!“ Man konnte das anklicken. Und da stand dann, das der Koffer um 19:05 in meiner Heimat gelandet sei. OH! MAIN! Goad! Mehr wissen wir noch nicht. Aber der geduldige Gatte, der in den letzten Tagen eine Gattin außer Rand und Band ertragen hatte (und das Nachshoppen) sagte geduldig und mit einem gewissen Ton von Güte für Verrückte in der Stimme: „Monja! Niemand! Niemand klaut einen Koffer für ein Tuch und ein Buch von Pius! Is doch klar, dass er wieder auftaucht!“ Wie meint er das? Das ist ein ganz außergewöhnliches Buch! Das ist ein ganz außergewöhnliches Tuch! Das ist eine ziemlich geile Hore. (Ihr könnt das googlen) Vielleicht also, nachdem man ganz vielleicht den Koffer durch Pius II. einer verrückten Frau am Telefon zuordnen konnte, kommt Pius also nach Hause, wo er hingehört – ins Regal! Dann hätte mir Papst Pius also quasi den Koffer gerettet. Immerhin tauchen 3,5% aller Gepäckstücke nie mehr auf. Ich erwarte schon, dass man dieses außergewöhnliche Wunder zur Kenntnis nimmt. Eigentlich bin ich drauf und dran, einen Kanonisationsprozess loszutreten. Der Gatte meinte aber, das wär nicht verhältnismäßig. Ich weiß nicht – in der heutigen Zeit? Ist da nicht alles Gute, was passiert, ein Zeichen? Ich denke, schon. Ich hibbel der Sache jetzt ein bisschen entgegen. Ich werde mir jedenfalls dann eine neue Flasche Coral zulegen …. das Glückstuch wäre dann quasi eine zu pflegende Reliquie des Glücks.

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(Nicht jeder findet Enea/Pius so klasse? Ich kann das nicht verstehen)

Historiker als #Influencer

Meine Freundin, die liebe Notaufnahmeschwester, hat überlegt, wie ihr Leben als Influencer aussähe. Wie wir alle wissen, rennen die Promiwerbeträger den ganzen Tag mit speziellen Tees und ihrem Feinwaschmittel unter dem Arm durch das Leben – ähnlich wie die Franzosen den ganzen Tag ein Baguette unter dem Arm tragen. Dafür bekommen sie – im Gegensatz zu den Franzosen – Geld.

Ich war gleich ganz neidisch, weil diese Coralwerbung natürlich nicht bei jedem Influencer funktioniert – Unilever ist wohl aus diesem Grund noch nie auf einen Geisteswissenschaftler zugekommen. Vielleicht liegt es aber auch an der Reichweite? Wer liest heutzutage schon Bücher? Trotzdem bin ich nicht gewillt, das Projekt einfach aufzugeben. Man muss doch nur das Produkt wechseln. Es ist ja jedem klar, dass Schönheit vergänglich ist und lediglich der Charakter und die Intelligenz ausschlaggebend ist (muhahaha), deshalb sind Historiker*innen eigentlich die geileren Werbeträger. Keiner kennt unsere Gesichter und wenn man in trauter Runde erzählt, was man so macht, dann kommt doch zumindest ein anerkennendes Nicken. (Ok, und die Frage, ob wir alle Taxi fahren – aber das muss ja nun, dank cleverer Werbestrategie nicht sein). Hey Unilever!

Natürlich habe ich immer eine Flasche #Coralblack im Haus und auch immer dabei! Noch nie war mein wissenschaftlicher Apparat so sauber! Dank #Coralblack habe ich die interessantesten Fußnoten, die jeden interessieren – und sie glänzen in der Leselampe wie chinesischer Lack im Sonnenschein.

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Das Ganze wird natürlich noch spannender, wenn man Mediävist ist! Mittelalterhistoriker! Noch nie, wirklich NIE, war das finstere Mittelalter so finster. Noch finstereres Mittelalter dank #Coralblack! Es ist so finster, ich könnte mich gruseln.

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(das Buch von Carlo Ginzburg zu Wahrheit ist wirklich gut!)

Ja, und nicht nur das! Als ewiger Trendsetter der Blazer tragenden Frauenfraktion ist mein Tagungsblazer jetzt noch schwärzer als Schwarz. Dank #Coralblack! Ich geh ja ohne nicht mehr aus dem Haus!

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Schwarz haben übrigens eigentlich die Burgunder als Farbe an ihrem prächtigen Hof im Mittelalter erfunden – es war so scheisse teuer – das wollte dann jeder. Phantastisch! Dank #Coralblack verbinden sich nun Tradition, europäische Geschichte und moderne Waschmittel zu einer einzigartigen Kombination! Da wird ja der Pleurant am Prachtgrab neidisch!

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Also, ich geh NIE mehr ohne – zumindest, bis ich reich oder berühmt bin. 😀

Florenz – oder: Sorry, sagt Lufthansa

Eine der beeindruckendsten Vorlesungen, die ich je besuchen durfte, war im ersten Semester die über Florenz im Mittelalter. Ich hatte sofort beschlossen: das muss ich sehen! Es hat dann leider noch vier Jahre gedauert. Ich war vorbereitet. Ich hatte einen Sprachkurs besucht, Wochen vorher Onlinetickets für alles gebucht, eingekauft.. los gings.

Es war eine tolle Woche. 50 Grad in der Sonne, eine Laufleistung von 15km/Tag.

Wir waren im Dom, in den Uffizien, im Baptisterium, in Santa Croce.. endlich die Nacht von Taddeo Gaddi sehen..

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in Santa Maria Novella.. und in der wohl ältesten Apotheke, die mal zum Kloster gehörte, im Medici-Palast

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wir konnten die Keramiken von de la Robbia anschauen..

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und in Siena den Dom.. die Picolominibibliothek… es war phantastisch. Immer im Geiste dabei: mein Schwiegerpapa, dem ich (auf italienisch!) seine geliebten kandierten Veilchen gekauft hatte, Parfum aus Santa Maria Novella und Bonbons.. Schinken aus der Markhalle von Florenz…und mir ein seidenes Tuch mit der Decke der Bibliothek drauf.

Dann kam der Tag der Abreise. Unser Flieger kam nicht. Ich telefonierte mit LH. Die sagten, es gehe kein Flug mehr, der Flughafen sei gesperrt wegen Wind. Der Flughafen wusste das nicht. Nach für nach flogen aber immer mehr Flieger nicht ab. Menschen kamen an ihre Grenzen. Eine Frau war der Meinung, man sage uns nicht die Wahrheit. Sicher handele es sich um Terror. Eine andere konnte weder Italienisch noch Englisch und die Ansagen nicht verstehen. Ein japanisches Pärchen reichte mir das Handy, damit ich mit ihrer Tante in Berlin sprechen sollte – die konnte Deutsch und den beiden dann auf Japanisch erklären, was passiert. Ich habe übersetzt, wie ein Weltmeister, Leute getröstet und organisiert, so gut es ging. Nach vielen Stunden kam ein Bus, der uns wegbringen sollte, zum nächsten Flughafen. Das war Verona…. Verona liegt so drei Stunden von Florenz entfernt. Wir kamen gegen 22:00 an.. als das Restaurant gerade schließen wollte. Schnell noch etwas essen (das hatten wir den ganzen Tag nicht) und schnell schlafen, denn um 4:00 sollte es weiter gehen..in die Flieger nach Hause.

Etwas in mir sagte: „Nimm die Kamera aus dem Koffer!“ und wohl, weil ich so müde war, nahm ich sie raus. Wir zuppelten zum Flughafen.. das Gepäck wurde aufgegeben, wir stiegen in München um.. wir standen in Berlin am Gepäckband… es stand still… mein Koffer war weg!

Weg! Meine Bekleidung, meine Schuhe! Mein Tuch! Die ganze Kosmetikabteilung! Aaaah! Das kann man jetzt lächerlich finden – aber es waren doch meine Sachen. Manche hatte ich noch nie getragen (Ihr kennt das – etwas ist so gut, dass es geschont werden muss) Also gaben wir eine Lost and found Anzeige bei Lufthansa auf. Wir bekamen einen Zettel, auf dem stand: „Sorry! Wir tun alles, um Ihr Gepäck wiederzufinden!“ Am nächsten Tag rief ich dort an. Nö, der ist noch nicht getrackt worden. Man hat dann ja Fragen: wo war er denn zuletzt? Ist er noch in Verona? Soll man da mal anrufen? Was unternehmen Sie denn?

Die Dame da war so genervt, als hätte ICH IHR Gepäck verloren. Und nicht, die Firma meins. Was sie täten? Nix. Wenn niemand einen Laser an das Bagtag hält, wird er nicht gefunden. Sorry halt! Darauf warten sie jetzt 100 Tage. Solange kann ich folgendes tun: nix. Solange habe ich folgende Ansprüche: keine. Danach kann ich einen Antrag stellen. Sorry! Sorry, Leute, da is dann WINTER. Da brauch ich mir keine Sommerhose kaufen und bis dahin hätte ich mir auch gerne mal wieder die Zähne geputzt und mich geschminkt. Von frischen Schlüppis mal zu schweigen! Gut, ich bekam dann ja in der Klinik den sexy Netzschlüppa, aber die Lösung war das nicht. Zudem war auch noch eins meiner Lieblingsbücher im Koffer. Eine signierte Ausgabe. Mir ist, als habe man Pius II. entführt. Ich will meinen verdammten Highlighter wieder- und mein Tuch! (das man nicht online bestellen kann!). Ich bin wütend und traurig.

Ich habe heute etwas nachgeshoppt. Manche Sachen habe ich auch nochmal kaufen können – is ja Saisonende. Manche nicht. Irgendwo ist jetzt Pius alleine mit meinem Tuch in meinem Koffer. Und jeder Menge Dreckwäsche. Ein komisches Gefühl bleibt. Wie soll man verfahren? Nur noch mit Handgepäck fliegen? Gemischte Koffer, damit man irgendwas zum Anziehen hat, wenn einer verloren geht? Wie überhaupt kann sowas passieren (uns es passiert statistisch gesehen massenhaft!)? Und warum meiner, nicht der meines Mannes? Das is alles nicht fair und die Erholung (wenn man bei über 70km in der Hitze von Erholung reden konnte), ist dahin.

Sorry.. ich fass es nicht.

 

Schwestern sind so nett! – leider…

Von gestern auf heute durfte ich wegen einer kleinen Not-Op (nun, das Wort ist nur ein Wort) in der Klinik bleiben. Oft lese ich ja in den einschlägigen Foren: „Ich mache meinen Beruf mit Herz! Ich liebe meine Patienten! Man muss nett sein, sonst hat man den Beruf verfehlt!“… Leute.. nee… am Arsch!

Aus dem Saal kam ich mit einem fetten shivering. Die Schülerin, die mich betreut hat (<-!), war sehr besorgt. Ob mir kalt sei? Ob ich noch Decken bräuchte?.. Obwohl ich noch lull und lall war, hab ich ihr die Nachwirkungen von Narkosen erklärt. Sie war sehr nett – und ich war mal gut – da mussten wir uns irgendwie ergänzen.

Nach der Narkose lief der übliche Tropf. Ich wartete ungeduldig auf das Ding, damit ich endlich auf die Toilette konnte. Als das endlich soweit war, fragte sie, ob ich mir das zumuten möchte….. Ausschwitzen ist da leider keine Option. Außerdem bin ich Raucher.

Zum Abendbrot „hatte sie mir irgendwas so zusammengestellt“. Kommunikation wird ja völlig überbewertet! War auch nicht zu leisten, denn auf dem Gang unterhielt sich die Vollfachkraft über die Belastungen im Beruf (die sie wohl empfand, aber die echt bei halber Kraft voraus auf der Station nicht da war). Liebe Vollschwester: es wird Zeit, zu gehen.

Dass der Nachtdienst da war, war eine Entdeckung, die ich zufällig machte. Früher ist man ja noch durchgegangen, da wusste man, wie die Nasen aussehen, die einem eventuell auf den Keks gehen. Wir Patienten hingegen waren da nur Papier – aber nett waren sie alle.

In 3 Diensten (auf einer Chirurgie) hat niemand mal auf den Verband geguckt. Genau deshalb war ich aber da. Aber nett waren sie alle.

Natürlich konnte ich nicht einschlafen. Ja, mein Biorhythmus war defekt. Aber es wäre auch schön gewesen, die „leben sie noch“? Runden mit der Frage, ob ich schon schlafe, einfach zu lassen. Wenn ich geplant hätte, weg zu sein oder aus dem Fenster zu springen, dann hätte das Nachschauen eh nix genutzt. Den Verband kannte sie ja nicht. Sie war aber sehr nett.

Um 0:00 war ich nochmal unten. Tücke: man kann raus, aber nicht rein. Hey, ein Zettel wäre schön. Dann hätte ich das gewusst. Der mich anschnauzende Pförtner war nicht nett (Hier is Nachtruhe!!), aber er war kompetent (wusste, dass die Tür zu war, im Gegensatz zu mir und konnte sie öffnen).

3 Dienste habe ich gefragt, ob sie noch planen, mein Leben mit der zerknickten Rosanüle zu retten? Die Antworten: später, bei der Visite, nachher, bevor Sie gehen… endeten mit einer schnellen Ziehung auf dem Gang. „Drücken se ma!“ (ich hatte jedem erklärt, dass ich Schwester war)… man ist geneigt, zu sagen : nee… ziehen se mal!  Außerdem: ENTWEDER, du Idiot! drückst auf die Braunüle ODER du ziehst sie. Beides gleichzeitig ist vermeidbarer Schmerz. Ist ja auch irgendwie logisch! Aber NETT war er….

Der Verband wurde mit dem OA entfernt. Ich bekam, unter den durchgesippschten Netzschlüpfer (oh ja), eine sterile Kompresse ohne Pflaster. STOP KIDDING ME! Aber nett waren se.

Traurig maß meine Vitalwerte (nach 3 Diensten) eine Pflegestudentin. Ich sprach sie an und sie sagte, die, die schon ewig am Bett arbeiteten, hätten dafür keine Toleranz. DAS glaube ich. Dafür waren die viel zu nett! Ich tröstete, so gut es ging. Das Mädel wird ihren Weg machen. Die hatte nämlich was drauf. Nicht, wegen des Studiums, sondern weil sie einfach gut war. Vielleicht ETWAS weniger nett.

Nett, meine Süßen, ist die Schwester von Scheiße. Das klemmt Euch hinter die Ohren.

Ich verzichte auf all Eure jammernde Nettigkeit. Gute, echte Pflege – das hätte ich schön gefunden.

 

Hilfsmittelblues

Wenn Brillen das Attribut der Gelehrsamkeit sind, dann hab ich es jetzt offiziell geschafft.

Alles fing ganz harmlos an. Irgendwie schwammen die Buchstaben und ich konnte nicht mehr so viel Text in meinen Kopf drücken. Kommt vom Stress, dachte ich. Kam aber nicht vom Stress, kam von einer veritablen Hornhautverkrümmung und einer altersbedingten (<– *kreisch*) Weitsichtigkeit.

Ihr wisst, wie sowas läuft. Augenarzt, Optiker, komisches Gestell auf die Nase – Austauschgläserproben. Zack.. ging die Sonne auf und da waren glasklare Buchstaben. Na gut, dachte ich, wenn das alles ist.

Fröhlich also mit dem Hilfsmittelrezept zum Optiker… nein, gelogen… zu ALLEN Optikern. Ich hatte klare Vorstellungen. Schwarz, groß und ich will nicht vom Rand belästigt werden beim Gucken. Um ehrlich zu sein – die ersten Optis haben mein Konzept nicht begriffen. Da wirste dann mit Gestellen zugeschmissen. Randlos, grün, blau….und sollst in einen Spiegel gucken, um zu gucken, wie das ausschaut. Ich mein – Weitsichtigkeit. Ich hab also nix von einem Handspiegel vor meiner Nase. Es hat STUNDEN gedauert. Dagegen ist Schuhe kaufen ein Einhornpups.

Endlich haben wir dann einen Optiker gefunden, der begriffen hat, worum es mir geht (und um ehrlich zu sein, ging es mir auch um ein bestimmtes Label). Es gab genau 2 Gestelle. Geht doch, ändert doch sofort etwas an der Qual der Wahl. Und – ich will hier bestimmt nicht werben – aber der „Brillenmacher“ in Berlin ist die für mich kundenorientierteste Einrichtung ever, ever, ever.

Ich hatte dann also das Ding auf der Nase und jemand anders aus der Filiale kam aus den hinteren Bereichen des Ladens. Diese Chance habe ich sofort genutzt. „Was halten Sie von dieser wundervollen Brille?“ Er fand sie – vielleicht auch durch die Frage 😉 – genauso wundervoll wie ich. Das nenne ich Service. 3 positive und fast unabhängige Meinungen neben meiner auf einen Schlag. Die der Verläuferin, die des Verkäufers und die meines Mannes, der endlich, endlich, endlich aufhören wollte, Brillengestelle auszusuchen.

Jetzt ist sie da. die Brille. Und ich werde verrückt mit dem Ding. Ich kann nicht ein Blatt und zeitgleich den Beamervortrag lesen. Ich vergesse, sie aufzusetzen, ich vergesse, sie abzusetzen. Ich bin mit der Brille mehr beschäftigt, als mit dem Inhalt, den ich lesen möchte. Ich werde verrückt mit dem Teil. Ich schiebe sie in die Haare, ich suche sie auf meinem Kopf, ich mäkel wegen der Haarsprayflecken drauf, ich weiß nicht, wohin mit ihr. Lesebrillen sind die veritable Möglichkeit, Leute in den Wahnsinn zu treiben.

Ich müsste sie beim Smartphonen tragen, ich müsste sie zum Telefonieren aber absetzen. Ich kann nicht mit ihr laufen aber ich kann nicht ohne sie lesen. Alles ist Pomade. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Sie stört. Ich verstehe jetzt besser schusselige Leute, die ihre Brillen verlegen. Sie stört beim Denken, sie geht mir auf den Keks. Selbst, wenn ich am PC mal schnell hochschaue, muss ich fast reihern. Ich tu mir so leid.

Vielleicht ist ja irgendwann mal ein Hörgerät dran. Da könnt Ihr sicher sein, das stell ich aus

Texte wie Nougat…

Manchmal beim Arzt lese ich yellow-press. Die meisten Leute dort kenn ich nicht mehr. Ich habe auch keine Ahnung, was sie können. Am Rande bekomme ich mit, dass Leute heute verehrt werden, weil sie sich pink anziehen können, einen Po haben oder – weshalb macht Ihr das?- einfach sinnlos andere Leute niedermachen. Ich hingegen mag Leute, die echt was auf der Pfanne haben. Einer davon ist eines meiner Lieblingsvorbilder (ich habe 4 davon), der Mediävist Arnold Esch. Jeder möchte eigentlich schreiben können wie er. Seine Texte sind wie Nougat. Du steckst sie Dir in den Kopf und sie verheißen alles Gute in der Welt, machen ein warmes Gefühl, nehmen Dich mit auf eine Wiese vor Rom in der Renaissance. Du kannst den Kardinälen beim Kirschenpflücken für den Papst zusehen oder mit einem Finanzbeamten durch die sengend heiße Stadt laufen und an den Türen der römischen Bürger kopfen, bis Dir selbst die Schweißperlen laufen und Du alle Familien in Trastevere kennst – im 15. Jh.

Die Texte wispern Dir auch zu: sorge Dich nicht. Es gibt keine Regeln. Sie sind nur in Deinem Kopf, nimm sie nicht an, mach einfach, was Du willst und mach, dass es gut klingt. Dann nehme ich meinen jämmerlichen literarischen Zauberstab, um die Welt ein bisschen so zu verzaubern und aus ihm spotzen drei erbärmliche Fünckchen. Die Texte sagen dann: nicht schlecht für den Anfang. Noch 30 Jahre Übung. Hab nur Mut. Was Linus sein Schnufeltuch ist mir „Landschaften der Frührenaissance“. Ich schleppe es mit. Mein Mann fragt auf Kurzreisen „Hast Du Arnold dabei?“. Und irgendwie gehört er zur Familie. … Ich kenn den Mann gar nicht.

Heute ändert sich das. Er spricht und wir dürfen kommen. Das ist wie eine Einladung von der, die sich rosa anziehen kann. Oder von George Clooney. Auf jeden Fall ist es für die vielen schönen Stunden gerechtfertigt, dass man sich gut anzieht. Code. Code (meistens Hosenanzug mit Bluse) ist eine komische Sache. Code heisst: ich kenne den Code, ich werde ihn einhalten. Code heisst auch: ich erwarte, hier ernstgenommen zu werden. Code für Frauen ist schwierig. Bedeuten Hosenazüge nun, dass die Frau sich weigert, eine Frau zu sein? Sollte sie Röcke tragen? Bedeuten Röcke nun, dass sie zu sehr darauf setzt, eine Frau zu sein? Was ist mit Schminke? Schminke und Intelligenz sind eine Gratwanderung. Haben geschminkte Frauen überhaupt etwas drauf? Deshalb bekommt er den MEGACODE. Nude-schwarz-nude-schwarz. Das Irre an Codes ist: es klatscht keiner. Eigentlich kannst Du aussehen, wie Du willst. Es ist nur in deinem Kopf. Ich trage Code:

  • auf Premieren
  • bei meinen eigenen Vorträgen
  • wenn mir danach ist
  • wenn ich arbeite (außer an Montagen mit Hackenporsche)
  • bei Anlässen (auch nichtigen – einfach aus Respekt)

Code ist das Baumwolldress von früher. Manchmal fände ich es auch besser, wieder in eine blaue Hose hopsen zu können und mir ein Stethoskop um den Hals zu hängen (was übrigens auch ein Code ist).

Ich habe vielleicht weniger Probleme damit, weil ich ein 80er Kind war. Ich liebe Blazer. Ich habe Haufenweise. Über den Rest sollen sich die Jungen Gedanken machen.

Ach ja, Code. Heute Abend also, trage ich Schuhe, die ich gerade erst gekauft habe. Sie werden drücken, es wird nicht schön sein. Meine Füße werden anschwellen und ich werde angestrengt versuchen, nicht angestrengt auszusehen. Der Mann weiß das nicht. Ich habe für diese Aktion, die keiner wahrnimmt oder sieht, eine Verkäuferin an den Rand der Dienstuntauglichkeit gebracht, weil ich einfach genervt habe, als wäre es nicht irgendein Laden sondern handmade in Mailand. Es tat mir leid, aber das war er mir wert. (Vielleicht kaufe ich ihr mal eins seiner Bücher, damit sie mich besser versteht).

Meine Vorbereitungen im Bad werden denen von Bridget Jones um nichts nachstehen. (Vorteil, um Schlüppa muss man sich überhaupt keine Sorgen machen!)

Auch die Mädels sehen phantastisch aus. Beine bis in den Himmel (heul doch, Beyoncé!) und eigentlich müsste Lagerfeld um die Ecke geschossen kommen und beide wegschnappen. Am Ende werden wir aber bloß drei Gestalten gewesen sein, die er am Rande wahrnimmt und die ihn mit einem Selfie genervt haben (falls man sich traut, das zu fragen und überhaupt durch die Massen kommt). Und ich werde abends wieder in meine Latschen zurückhopsen und davon träumen, einmal Texte wie Nougat produzieren zu können.

Schuhe

Mies erzogene Akademikerschnieptröten

23 Jahre arbeiten in einer (Uni)-Großklinik. Das macht was mit einem – da machste nix dran. In Kliniken grüßt man streng hierarchisch. Als Lernschwester alle, als Schwester alle, als Oberschwester hört man dann langsam damit auf – und wird gegrüßt, einfach, weil es auffällt, dass man nicht zuerst grüßt. Einzige Ausnahme: die Akademiker, vor allem die Professoren, die man automatisch und immer grüßt. Man hat nix davon, sie knallen einem trotzdem die Stationen voll. Man macht es einfach wegen der Höflichkeit – und weils nicht wehtut.

Als ich dann „in echt“ auf die Uni kam, dachte ich – oh Gott, Mädel, Du bist sooo naiv!- dass das so weiterginge. Gut zwei Jahre habe ich (meine) Professoren gegrüßt. Ich hatte nix davon, sie haben meine Noten ja schon geschrieben. Einfach aus Gewohnheit. Ich habe natürlich auch lehrstuhlfreie Dozenten gegrüßt. Einfach der Höflichkeit wegen, und weils nicht weh tut.

Überhaupt dachte ich, das müsse DER Hort der Konventionen sein. Immerhin, so war die Denke, müssten die ja alle gut erzogen sein. Waren ja schließlich sehr viel länger daheim als ich. Dieses Denken hat mir, nach einem langen Lateintag dann die Putzfrau/Reinigungsfachkraft ausgetrieben, ohne es zu wissen. Auf die Stufen des Haupthauses setzte sich mit Schwung eine junge Frau. Den Kittel kannte ich, ich mein, die Firmen hatte ich schon in der Klinik. Neben ihr war ihr Kollege. Sie sagte: “ Ey, ich kann nicht mehr! Wie sehen denn hier die Toiletten aus? Ich denke, das sind alles Studierte? Das ist so dreckig hier, dat also sind die Tollen aus der Gesellschaft, ja? Was fürn Scheiß! So dürften meine Gören nicht mit dem Klo umgehen, und die haben nur Oberschule!“ Schmiss die Zigarettenkippe in den Ascher und verschwand. Leider – und ich sage das trotz Loyalität – hatte sie recht.

Grüßen hat mir dann mein Prof. abgewöhnt – ganz, ohne es zu wollen. Nachdem ich guten Tag sagte, und weiterging, fragte er mich schnell, was er für mich tun könne. Ich sagte wahrheitsgemäß: „Nichts. Ich hab nur „guten Tag“ gesagt.“ Das Gesicht vergesse ich nicht. Ich tat es danach nie wieder. Manchmal nicke ich noch heimlich und lächle. Ich fühle mich um meine Konventionen beschissen.

Ich wohne auf einem Dorf. Hier grüßt jeder jeden. Ob er ihn kennt, oder nicht. Ich sehe ein, dass das in einer Großstadt nicht geht. Aber man kann sich nicht „knowledge wins“ auf die Fahne schreiben und sich dann verhalten, wie ein Arsch. Dann ist man nämlich nicht gebildet, sondern nur ein dämlicher, soziopathischer Vollasi. Soziophob bin ich auch, aber ich sage denen wenigstens Tag.

Mit der Selbstreflektion ist es, trotz hohem geistigen Potential nicht weit. Die eine quasselt so laut, dass ich eher ein Zelt auf einer Landebahn bewohnen würde, als die Bude neben ihr. Wieder andere möchte ich liebend gerne fragen, ob man ihr irgendwann in den Frontallappen geschissen hat. So miese Laune kann keiner verbreiten, so ätzend auf die eigenen Leute losgehen und so abgefuckt arrogant sein, dass ich ernsthaft über das System der Klassenkeile nachdenke. Was anders ist, als bei „uns“ in den Kliniken: es wird nach oben zwar gegrüßt (wenn es sich lohnen könnte), nach unten aber geätzt. Das ist in meinen Augen gar nicht Aki, sondern asi. Punkt. Man möchte rufen: „Lesen Sie deren Bücher nicht! Falten Sie weiße Papiertauben draus und lassen sie sie fliegen, damit die Welt sich einmal an ihr freuen konnte!“

Ich habe beschlossen, mein Verhalten jedoch nicht weiter zu ändern. Ich bleibe meiner schwesterlichen Erziehung treu. Grüß ich halt leise. Sollte ich je die Weltherrschaft an mich reißen, führe ich Benimmkurse ein. Soviel ist sicher. Vielleicht verschenke ich die Tage auch einfach mal einen Knigge. Die Dummen brauchen vielleicht unsere Hilfe mehr, als sie ahnen.

Arschlochmontag….

Es gibt ja so Tage, die sind so scheiße, die nimmt Dir ja nichtmal ein erfahrener Proktologe so ohne weiteres ab: bei mir ist das der Montag.

Eigentlich grault es mich schon am Sonntag, weshalb ich mich ja gerne mal am Nachmittag aufs Ohr haue. Leider ist mein Biorhythmus damit nicht einverstanden, trotz Dekaden im Schichtdienst. Ja, einmal versaut, wird er zickig. Ich kann regelmäßig nicht einschlafen. Der Wecker steht auf 04:00….

01.33…. ich habe keine Ahnung, weshalb Nachtigallen romantisch sein sollen. Der blöde Vogel sitzt jeden Mai in meiner Walnuss und röhrt laut wie ein Hirsch. Nächtliche Natur wird völlig überbewertet, dank Caspar David Friedrich.

01:45… Griff zum Handy…. Audible hilft immer. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Fontanes Wanderungen oder Adornos Vorlesungen anschalten soll. Denke eine Weile darüber nach…. regt mich so auf, dass ich richtig wach werde.

Filmriss…

04:00… TRÖÖT TRÖÖT TRÖÖT… pünktlich ist der Wecker, da kann man ihm nichts nachsagen. JETZT kommt mein Moment (der mich irgendwann die Ehe kosten wird, das gebe ich ganz offen zu): ich MUSS nämlich noch gar nicht aufstehen und kenne mich seit Jahren so gut, dass ich weiß, dass ich ihn jetzt eine Stunde bekämpfen werde. Alle 9 Minuten trötet es und ich prügel wild auf dem Nachttisch rum, bis er leise wird. Ich bin so unfassbar müde – mein Mann auch, aber der ist jetzt wach. Ich nicht, ich kann schließlich noch ne Stunde schlafen.

05:15… Ich sitze an der Küchenbar, meine Rechte hält die Kaffeetasse fest. Kein Unterschied in Körperhaltung und Aussehen zur Ötzimumie feststellbar. Der Tag ist so gemein.

06:30… zu viele Leute auf der Straße, massenhaft Gestalten auch an der Tanke. Bestelle einen Pfeffitee….

07:30..Parken an der Uni. Schleppe mich über die Treppe zur Mensa. Kaffee und Pfeffitee werden übereinander gestapelt. Der Tag ist so gemein.

08:15.. lesen spätantike Gesetze… Ammen sollen zur Strafe für Vergehen heißes Blei in den Mund gekippt bekommen. Verbrenne mir vor Schreck die Zunge am Tee. 09:45.. leider schon vorbei. Doch, ich mag Seminare. Ich nuckel dabei die ganze Zeit am Kaffee und Tee und denke so vor mich hin. Genau mein Style. Ötzi kann das nicht.

10:00 die Arbeit beginnt. 15 Minuten für die Fahrt müssen reichen. Leider ist heute DER Montag. Bibliotheksdienst. Das bedeutet, die ganze Stadt nach Bestellungen abgrasen, die unsere Wissenschaftler gemacht haben. Die.Ganze.Stadt. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben wir einen Hackenporsche. Ein ausladendes Gerät. Anders ist es aber kaum möglich, die Bücherflut zu stemmen.

Hackenporsche

Dabei kann man Erfahrungen sammeln.

Unibibliothek: die junge Studentin, die am U-Bahnhof Flyer verteilt für ganz wichtige Sachen, gibt mir keinen. Ich bin alt, sehe nicht studentisch aus. Trotz, oder sogar WEGEN des Hackenporsches. Ich denke „blöde Schnieptröte!“ (danke, Barbara für das Wort) und vermute, dass sie schon in 25 Minuten in einem Seminar sitzen wird, wo sie steif und fest behaupten wird, dass Diskriminierung scheiße ist und sie sowas nie machen würde. Pah!

Jurabibliothek: die Juristin kann ihre Jacke nicht einschließen, weil sie keine Karte hat. Ich denke mir “ wer hat denn nun hier schon fertig studiert, Du oder ich, häh?“ und erkläre ihr das Eingeben eines Codes.

Nordamerikabibliothek: zwei Syrer sehen mich und den Hackenporsche und gehen zur Seite. Ich sage „Dankeschön“ und die beiden Jungs sagen sofort „bitteschön!“ Das sch klappt nicht so gut, aber es werden am Ende des Tages die einzigen gewesen sein, die nicht versucht haben, sich an dem Wagen das Genick zu brechen.

Staatsbibliothek: Heute muss mein Glückstag sein. Der Mann an der Ausgabe ist megahöflich. Zu früh gefreut, der Porsche und ich bleiben in der Klotür hängen. Einer von uns beiden hat Überbreite.

Back im Büro: 16:00… hurrah, eine Kleinigkeit zum Lesen ist angekommen.

Bücherwagen

Fühle mich wie Hermine Granger..etwas leichte Lektüre. Habe aber Lust wie Ron Weasley. Die letzten Wagenladungen waren nämlich in der Recherche frustran.

17:30… Feierabend. Für heute wirklich. Sonst ist um die Uhrzeit noch ein kleines Seminar. Heute ist also fast halbtags.

17:32… Die A100 ist gesperrt. 17:40.. das Kind hat Appetit auf Nudelauflauf.

18:22… an der Kasse vor mir läuft einer Dame ihr ganzes Bier aus und auf das Band. Möchte gerne mit dem Hackenporsche um mich schlagen.. aber, der steht nunmal auf der Arbeit.

19:08.. Nudelauflauf im Ofen… Orientiere mich bei der Notaufnahmeschwester, ob sie auch so einen blöden Tag hatte. Beruhige mich vollends. Bin nicht das einzige Opfer des Arschlochtags geworden.

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