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monjaschuenemann

Das echte, harte Leben… im Baumarkt

Das Kind zieht aus. In einer beschaulichen Kleinstadt haben wir nicht nur eine Uni, sondern auch eine 3-Zimmer Wohnung gefunden. Paradoxerweise ist die billiger, als eine kleine Wohnung. Das Kind muss seinen Umzug organisieren. Es darf unsere Möbel plündern, unsere Schränke ausräumen und in ein wundervolles Studentenleben starten. Das Kind braucht Umzugskartons. Und Kleinigkeiten.

Das Kind macht Bekanntschaft mit dem echten Leben. Dem Einkaufen. Nicht Schuhe, oder eine besonders coole Spielekonsole… sondern echtes Zeug. Bei Ikea feilschen wir ewig um den Preis eines Küchensets. „Weißt Du, wie teuer das ist??“ kreischt das Kind. Es packt Dinge ein, die dringend nötig sind. Ich habe einen anderen Beutel für Dinge, die wirklich nötig sind. Das Kind mutiert zum Geizhals. „Einen Badvorleger für 6 Euro??“ halte ich für besser, als auf die Schnauze zu fliegen für 3 Wochen Gipsbein und Semesterausfall. Prioritäten. Das Kind braucht Kartons.

Baumarkt. Das Kind bekommt Schnappatmung bei einem Vorhängeschloß (Keller) und ich organisiere einen Fön und schnappe eine kleine Lampe für den Flur. Das Kind entdeckt Umzugskartons. 2,99.

„Was IST das? Darüber sollten sie mal in den Wahlsendungen reden!!“ zetert das Kind. „Das ist Pappe! Pappe ist eigentlich Müll! Wer gibt denn so viel Geld für Müll aus? Ich grinse und denke an den Haufen Yughio (schriebmandasso?) Karten, Farblutscher, Games…. die eigentlich Müll waren und die wir uns eigentlich nicht leisten konnten. Das Kind jammert, dass er sich unter diesen Bedingungen nieeee mehr wird leisten können, wieder nach Hause zu ziehen. „Darüber kannst Du mal einen Blog schreiben! Wie sie arme Leute mit einer Umzugskartonmafia ausbeuten!“ zetert es. Für immer und ewig wird er in der Kleinstadt bleiben müssen, meint er. Ich unterdrücke den Wunsch, ihm das Geld auszulegen oder den entstandenen Schaden irgendwie gut zumachen. Stattdessen packe ich so eine coole Glühbirne ein, deren Draht man sehen kann, wenn sie leuchtet. Die findet er super. Dass es noch sehr viele Dinge gibt, die er sich wird anschaffen müssen, obwohl er nicht will; dass er dafür auf Dinge wird verzichtet müssen, das habe ich verschwiegen. Dass er manchmal monate-und jahrelang wird sparen müssen – das hab ich nicht gesagt. Die Wahrheit über das Erwachsensein muss ja nicht an einem einzigen Tag zuschlagen. Vielleicht kaufe ich ihm die Kartons für den eigenen Umzug ab. Vielleicht mache ich es aber auch old-fashioned…. mit Gemüsekartons wie früher. 😉 Auf die Lösung ist er nicht gekommen. *chrchrchr

 

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In den Katakomben….

Sempre Roma! Wochenlang habe ich meine Familie genervt, dass ich etwas ganz Besonderes für sie ausgetüftelt habe, wenn wir in Rom wären. Kein Vatikanisches Museum, nein, vieeel besser und streng limitiert: die Katakomben unter dem Petrusdom. Eine klitzekleine Führung nur. 14 Leute. Irgendwie schön, pilgern, andenken und leicht. Antik. Jaaaaa!

Blöd, wenn man, wie Touris nunmal so sind, wenn sie nur ein paar Stunden Aufenthalt haben, wie wir, ans andere Ende der Stadt rennt. Wir benötigen ein Taxi. Und weiß der Geier, wo wir eigentlich sind. Gut für mich, dass die Scoutdame Allessandra (soo nett!) mir vorher die Straße an Berninis Kollonaden gezeigt hatte. Ich kann – und das ist ziemlich cool – den Taxifahrer lotsen! Der hat keine Ahnung, wie man zum Ufficio Scavi kommt. Ich schon. Ich fühle mich sehr römisch. Schon wegen der Klimaanlage im Auto. Coole Römer schwitzen im Sommer nicht – denn da sind sie gar nicht in der Stadt.

Wir schlüpfen durch einen Bauzaun und- haben somit illegal die Staatsgrenze übertreten. Der Schweizergardist findet das nur mäßig witzig. Aber immerhin kann er uns sagen, dass wir grundsätzlich richtig sind. Nur eben bitte durch die Personenkontrolle und nicht einfach so über die Grenze. Er ist höflich, zu zweit und – ich bin voller Respekt – schwitzt nicht in seiner Filzuniform – im Gegensatz zu mir, die ich leicht bekleidet mit Schultertuch bin. Die Kontrolle lässt uns 3 Minuten vor dem 15 Minuten vorher Termin passieren.

Die Sonne brennt. Zu meinem Leid hat der Campo Santo geschlossen. Ein Pater kommt auf die Gruppe zu. Er ist hochgeschlossen angezogen, mit Collar (das hat mir meine Freundin Inge gesagt!!, dass das so heißt) und ab gehts. Er hat einen Ordner dabei, mit selbst gemalten Folien.

Habt Ihr mal Kinder in der dritten Klasse ohne Betonung, ohne Senken oder Heben der Stimme ein Gedicht aufsagen hören? So läuft das ab jetzt für uns: 1,5 Stunden lang. Wir steigen herab unter den Dom. Es ist leider nicht himmlisch kalt sondern höllisch heiß und innerhalb von Minuten sind wir alle schweißgebadet. Der Mann erzählt ungerührt weiter. Ich überlege mittlerweile, in welchen Sarkophag ich für immer fallen soll. Schwindelig. Das Schultertuch klebt – nicht nur an den Schultern. Dreiwettertaft versagt hier vollends. Der Pater bleibt unchristlich ungerührt. Die ersten lehnen sich an die Sarkophage und japsen nach Luft. Meine Familie und ich sind uns einig: hier kommen wir nie mehr raus. Das wäre für einige sicher supertoll und ich will hier kein Relibashing starten, aber ich fühlte mich noch nicht soweit. Die Rede lief wie vom Band. Durch den Schwindel realisiere ich lediglich, dass die antiken Gräber „voller Heiden“ sind und nur wenige christlich. Ich habe in der Antike nichts anderes erwartet. Aber hier schwingt deutlich Dantes erster Höllenkreis für die Heiden mit, die verdammt sind, wenn auch schuldlos.

Nach einer Stunde schwitzen ist es soweit. Wir haben das Petrusgrab erreicht. Uns läuft das Wasser übers Gesicht. Ich weiß nicht,was ich erwartet hab. In einem durchsichtigen Gefäß, das mich sehr stark an eine Tupperdose für Salat zum Mitnehmen beim Italiener erinnert, liegen Knochenfragmente. Wir werden zum Beten eingeladen.

Für Petrus, Papst Franziskus (das tu ich gerne, den mag ich sehr) und den Weltfrieden. Meine Zunge klebt so sehr, dass ich heimlich auch um Wasser bete. Wir sind 14 Leute, deshalb erklingt es mechanisch 14 mal:

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Hier die Säule, da die Nische, da die Knochen…

Wir kommen an der Confessio heraus und können von unten einen Blick hineinwerfen. Was für ein Moment – da laufen die prächtigsten Liturgien ab und man darf für einen Moment hinter dem Glas schauen. Ungerührt jedoch geht der Sermon weiter. Ich besinne mich auf christliche Tugenden. Auf fremden Staatsgebiet, noch dazu Monarchie, einfach seine Meinung sagen -das geht irgendwie nicht. Ich frage, wo unter all den Särgen mit Päpsten wohl Gregor der Große liegt? „Wer?“ Ich danke Gott für das Botox in meiner Stirn, damit er mein Stirnhochheben nicht sieht, der gute Mann. (Weshalb wohl heißt Gregor „der Große“)?

Dann ist er verschwunden. Wir sind noch da! Halleluja! Halleluja! Engelschöre!

Wir zuppeln hinauf zum Petersdom. Noch nie kam mir eine Kathedrale so luftig, leicht, wundervoll und voller Licht vor. Und ich KENNE Licht in Kathedralen. Wahrlich. Halleluja! Meine Gebete wurden erhört – Wasser, wenn auch zum Preis von 3,50. Mein Pilgerbedarf ist bis auf Weiteres erledigt. Meine Familie möchte demnächst lieber wieder in Museen.

Hier die virtuelle Tour für Euch. Fotografieren ist dort streng verboten.

http://www.vatican.va/various/basiliche/necropoli/scavi_english.html

Antihelden für die Pflege

In den Zeiten der Emanzipation kritisierte man, dass Frauen zu Objekten gemacht wurden. Völlig zu Recht. Das perfekte Objekt sah gut aus, und es hatte sonst nicht viel auf der Pfanne. Oder, um es klarer auszudrücken: es war ein bisschen blöd. Nicht zuviel – grad soviel, dass es das Gegenüber sich gut fühlen ließ. Ich dachte, da sind wir drüber, aber jetzt gibt es einen neuen heißen Scheiß.

Zitat:

„Wenn wir nur über unseren Beruf meckern: Ändert sich nichts Wird der Beruf nicht attraktiver Personalmangel stärker. Siehst Du alles in der Pflege negativ, dann such dir bitte einen anderen Beruf oder eine andere Arbeitsstelle. Wenn wir verändern wollen dann gemeinsam Hand in Hand ohne Gemecker sondern mit Motivation für Veränderung.“ <— SIC!!!

Das neue Objekt der Pflege, Sandro Pé, hat es nicht mit Satzzeichen. Es sieht aber einigermaßen gut aus, soll wohl vorwiegend junge (weibliche!!) Menschen ansprechen und für die Pflege motivieren. Es hat nicht gereicht, viele Jahre lang Frauen mit ihrer Frauenrolle am (Pflege)bett zu halten. Nun schicken sie die „one-man-boygroup“ ins Rennen. Alle klatschen Beifall. Weder definiert er „Gemecker“ (=konstruktive Kritik?), noch begreift er, dass es Kritik (LAUTE!) zur Veränderung benötigt. Er ist Pfleger des Jahres, whatever that means. Eine perfekte Projektionsfläche. Noch immer scheinen also Hirn und das Zurschaustellen eines gewissen Bildungsgrades in der Pflege nicht erwünscht zu sein. Man klatscht Beifall dazu. Es gibt keine Frage nach Kompetenzen, nach Visionen. Gefordert wird „Pflege mit Herz“ (also wieder Berufung statt Beruf). Gefördert wird emotionale Erpressung. Als hätten wir nicht schon genügend Burnout-Raten und als würde nicht genau an diesem Spagat zwischen emotionaler Forderung und realistischen Zeitvorgaben die Kreuzung zwischen Pflexit und Burnout bestehen.

Du meckerst über all das? Dann geh! Das ist in meinen Augen widerlich und menschenverachtend. Menschen, nämlich Pflegende. Diese Kampagne dümpelt für mich in den tiefsten Tiefen prähistorischer Froschscheisse von PR. Was sie hilft? Nichts. Es gehen bereits genügend gute Leute. Bereits in den 70ern arbeitete man mit extegrierenden Sanktionen gegen Leute, die den Mund aufmachten. Was soll diese Aussage? Pflege halten nur die Stärksten aus? Pflege ist Fishermans Friends? Ist es zu stark, bist Du zu schwach?

Schwäche zugeben, zuzugeben, dass man nicht mehr kann, nicht mehr hinnehmen will, whistleblowing, sind die Stärken. Nicht die Schwächen. Ein System, das Arbeitende kaputtspielt, darf nie soweit verherrlicht werden, dass die „Schwachen“ ausgegrenzt werden.

Es gäbe 10000 Möglichkeiten, wirklich etwas zu unternehmen, anstatt dort follower zu werden. Wir sind hier mitten im System: easy denken, easy leben. So easy ist es nicht.

Präsentiert wird als Ikone, an der sich Pflegende orientieren sollen, eine Art von „Verona Feldbusch des Steckbeckens“.  Die Idealkraft hat es nicht mit Grammatik, pflegt aber mit Herz und bemüht sich, gut auszusehen. DAS ist der Fortschritt Eurer Generation?? Gab es niemanden der ASFH, den man hätte aufbauen können? Wen, der wirklich etwas KANN?

Leute, dafür ist NIEMAND von uns damals aufgestanden.

Leben von der Stange?

Ich soll eine Zahnspange bekommen und halte das für eine gute Idee. Es sieht einfach nicht dolle aus, wenn Deine Schneidezähne 5 Minuten vor Deinen Lippen um die Ecke kommen. Die Zahnärztin findet das auch. Die Zahnarzthelferin aber hat mit meinen Schneidezähnen ganz andere Probleme, und deshalb rief sie an. „Sie sind oft im Ausland? Warum?“ Ich finde ja, das geht sie gar nichts an und frage meinerseits: warum? Die Frage wiederum irritiert sie. „Dann können wir das nicht machen!“ Warum? Na, weil Sie im Ausland sind!“

??????????????????????wtf?????????????????????????????? <-! Ich lese ihre Gedanken. Ich nehme an, sie nimmt an, ich wohne heimlich in Südamerika und betreibe eine Kaffeeplantage. Heimlich züchte ich dort Reptiloiden. Und dünge mit Chemtrails. Dorthin würde ich dann mit meiner neuen Zahnspange flüchten, und Deutschland nie mehr betreten, solange, bis die Zähne gerade sind. Nein, das kann nicht der Grund sein. Ich komme nicht drauf. Also frage ich nochmal nach,was sie das anginge. Sie müssten es wissen! sagt sie. Ich forsche. Was ich denn forsche? Scholastische Medizin, weshalb? Hat sie Bedarf, bekommt sie etwa keine Fortbildungen? Ein ewiges Hin-und Her, bis die Gute mal begreift, dass ich ganz regulär in meiner Heimat lebe und mich nicht heimlich nach Irgendwoland absetzen werde. Ihr Problem ist dabei ein ganz anderes.

Es gibt diese Leben von der Stange. La deutsche Vita. Konfektionsgröße quasi. Mit 16 kommst Du von der Schule, lernst einen Beruf, heiratest, bekommst Kinder und backst Sonntags Kuchen bis ins Grab. Alle Jahre fährst Du nach Mallorca, setzt Dich in einen Betonbunker und findest das schön. Am Abend schaust Du RTL II. Oder so…(ich weiß es nicht genau). Bei Verfechtern vom Leben von der Stange, kommen Veränderungen nicht vor. Höchstens mal ne Scheidung. Was sollen denn die Leute denken? Alles, was davon abweicht, ist nicht vorstellbar.

Das ist „die Norm“. Die Norm ist großer Bullshit, denn das Leben ist keine Generalprobe für das Leben danach. Das Leben darf nie Konfektion sein, sondern muss eine Maßanfertigung sein. Jede einzelne Delle an Deinem Arsch (ja!) muss sich darin wohlfühlen. Denn es kann zu Situationen kommen, wo Du nur noch das hast: die Erinnerung. Und manchmal bleiben nicht mal die (Stichwort Demenz). Wozu also leben wie alle? Es geht doch andere einen Scheißdreck an und ich finde es krank, mich erklären zu müssen.

Ich habe viel gute Zeit meines Lebens damit verschwendet, eine Freundin zu beraten, wie sie ihre Pläne in die Tat umsetzt. Das tat sie nie. Das Planen hat ihr gereicht. Zufriedener wurde sie nie. Wie auch? Auf der Suche nach Hindernissen, die für jeden unterschiedlich sein können, verplempert man viel Zeit. Und die ist begrenzt, soviel steht fest. Ich habe eine Bekannte, die ist Fußballtrainerin. Im Rollstuhl! Warum? Weil sie es kann! Ich treffe viele Kollegen, die sagen: Ja, würde ich auch gerne machen…. ABER. Was für ein ABER? Ich denke, meistens gibt es eine Lösung. Für was auch immer. Außer, für die wichtigen Dinge wie weiblichen Haarausfall oder Flecken von Tomatensoße auf weißen Blusen vor einem meeting. Aber alles andere?

In meiner Familie war Risikokalkulation ein großes Thema. Alles wurde beleuchtet. Das waren Kriegstraumen. Wer nichts hat, konnte nichts verlieren. Blöde Idee. Man kann immer etwas verlieren. Wozu also die Kalkulation? Irgendwer hat doch Menschen befähigt, sich alles zu nehmen, alles zu erreichen, was man möchte. Wer sollte denn die Selektion treffen, für das, was „geht“ und das „was nicht geht“? Das kann man nur selber. Es gibt kein verdammtes Limit. Gleichzeitig sind gerade Leben-von-der-Stange-leber oft so unzufrieden, dass es ihnen wohl gut täte, wenigstens einmal etwas zu ändern. Das brachte mir oft Kritik ein. Und es war eigentlich lächerlich. Miesepetriger Mist.

  • ich hänge beim Umzug zuerst Gardinen auf. Das ist „verkehrt herum“ – tut mir aber gut. So what? An die Wand müssen sie ja eh.
  • ich bekam meine Kinder während meiner Ausbildung. „Das wird nie was!“ habe ich mir anhören müssen. Aber da spiegelten nur geistig limitierte Leute ihr eigenes Unvermögen.
  • „Man KANN als MUTTER keinen Motorradführerschein machen!“. Doch, kann man.
  • Man kann nach der Schule nie wieder lernen. Man ist raus! (ach, komm, das ist lächerlich)
  • WOZU? Das führt doch zu nix! (das sieht man dann am Ende, nicht am Anfang)
  • Man kann doch nicht einfach in ein anderes Bundesland ziehen! (doch, die sprechen da sogar unsere Sprache)
  • Eine Frau hat bei der Feuerwehr nichts zu suchen! (ich hatte aber 2 Arme und 2 Beine – was also unterschied mich von den Herren? Nix)

Man sieht also, es sind wirklich lächerliche Dinge, die es damals zu besprechen gab.

Ich finde es unvernünftig, dass die „Normalen“ die Norm setzen. Die Unnormalen sollten die Norm sein, damit die Normalen wissen, wann man davon abweichen kann, ohne unterzugehen. Die nicht Normalen bringen die Welt weiter. Die Konfektionsleber stagnieren. Es gibt in der Welt so geiles Zeug zu sehen, zu riechen, zu erfahren. Kein Mensch sollte sich damit begnügen, aus der Dose zu leben – es reicht doch, wenn man manchmal aus der Dose essen muss. Das ist hart genug. Lasst Euch nicht einschüchtern. Macht doch einfach, was ihr wollt.

Diese Zahnspangengeschichte brachte mich in sofern zum Schmunzeln, als dass ich mich fragte, was geschehen wäre, wenn ich nicht einfach nur n Berg und n paar Burgen angucken fahren würde, sondern.. hahahhahaha… zum Beispiel Kernforscherin bei Cern in der Schweiz wäre und eine Uranlieferung erwartet hätte :-D. Oder Astronautin! (Aber nur bis zum Mond, ja, sonst können wir das nicht machen! Nicht dieses One-way zum Mars ja? Was machen Sie im All??) Oder Biologin für Virenforschung! (Oh MAIN GOAAD!).

Protipp: wenn Euch jemand erklärt, man mache das so nicht (was auch immer), ist das ein sehr gutes Zeichen dafür, dass das genau so richtig ist!

Papst Pius II. – mein Kofferretter!

Geschichte? (entsetztes Augenaufreißen) Was kann man denn damit? Die Frage stelle ich mir noch oft und bekomme sie noch häufiger gestellt. Reich und berühmt werden – meistens nicht. Aber es ist, wie so oft im Leben – man muss auf das Gute zugehen und dran glauben.

Drauf zugegangen bin ich heute auch nochmal – und zwar auf die mehr oder minder netten Leute von Lufthansa. Die, die meinen Koffer, von der gefühlten Größe eines Einfamilienhauses irgendwie vergessen haben. „Hmmmmm….. „, sagte die Dame“…. hmmm.. da ist ein Stratic in München! “ Aufgeregtes Herzklopfen! Ob denn irgendwas besonderes an ihm sei? Nein, es war ja noch ein ganz junger Koffer. Auf seiner ersten Reise. Keine coolen Aufkleber, keine coolen Bändchen. Nichtmal n Kratzer.

Was denn drin wäre? Naja, was ist in so nem Koffer drin? Wäsche. Ich kann zwar jedes Teil beschreiben aber ob das Vergnügen bei dem hervorruft, der ihn durchwühlen muss? Ein Schminkkoffer …von der gefühlten Größe einer Hundehütte. Auch nicht ergiebig. Und Ohrenstäbchen, die alle lose rumfliegen, weil doch alles so schnell gehen musste. 200 Q-Tips zwischen Wäsche. Und die Nicht ganz so geheime Geheimzahl… am Schloss.

Kann aber auch Zufall sein. Aber dann fiel es mir wieder ein: Mein Pius Buch! Mein Pius Tuch! Also ein Tuch, mit einem geometrischen Muster der Piccolominibibliothek in einem roten Pappschächtelchen. Und ein Buch. Es heißt „Comentarii“ und ist von Pius II. Die Dame fragte nochmal nach. Ja, Pius..P-I-U-S… das war ein Papst, so 1460-70, wissen Sie? Nein, weiß sie nicht. Ist aber nicht schlimm. Es hat Eselsohren. Wie alle meine Bücher. Und Karten mit einer Stundenbuchseite einer florentinischen Hore. Einer was? Ja, also so Karten mit mittelalterlichen Buchseiten drauf… und einer Miniatur von Maria in der Initiale. Ich höre die Frau seufzen. die schreibt nämlich alles auf. Bestimmt denkt sie: wo sind die Normalen abgeblieben? Die mit Victoria-Secret-Wäsche und den Büchern „Darm mit Charme“ im Gepäck? Oder Kondomen? Oder Gummibärchen? Ja, es tut mir auch wirklich leid, aber das hat ja jeder.  Unterm Strich bleibt also nicht viel (was mich von anderen unterscheidet im Gepäck) außer kruden Büchern und Dingen, die bei anderen vielleicht eher kein Kopfkino hervorrufen. Man beschloss, den Münchener Koffer öffnen zu lassen. Man wollte sich wieder melden. Das geschah nicht. Murphys Law.

Am Abend schaute der Gatte dann in den Account. „Gepäckstück ermittelt. Bitte warten Sie auf Bestätigung!“ Man konnte das anklicken. Und da stand dann, das der Koffer um 19:05 in meiner Heimat gelandet sei. OH! MAIN! Goad! Mehr wissen wir noch nicht. Aber der geduldige Gatte, der in den letzten Tagen eine Gattin außer Rand und Band ertragen hatte (und das Nachshoppen) sagte geduldig und mit einem gewissen Ton von Güte für Verrückte in der Stimme: „Monja! Niemand! Niemand klaut einen Koffer für ein Tuch und ein Buch von Pius! Is doch klar, dass er wieder auftaucht!“ Wie meint er das? Das ist ein ganz außergewöhnliches Buch! Das ist ein ganz außergewöhnliches Tuch! Das ist eine ziemlich geile Hore. (Ihr könnt das googlen) Vielleicht also, nachdem man ganz vielleicht den Koffer durch Pius II. einer verrückten Frau am Telefon zuordnen konnte, kommt Pius also nach Hause, wo er hingehört – ins Regal! Dann hätte mir Papst Pius also quasi den Koffer gerettet. Immerhin tauchen 3,5% aller Gepäckstücke nie mehr auf. Ich erwarte schon, dass man dieses außergewöhnliche Wunder zur Kenntnis nimmt. Eigentlich bin ich drauf und dran, einen Kanonisationsprozess loszutreten. Der Gatte meinte aber, das wär nicht verhältnismäßig. Ich weiß nicht – in der heutigen Zeit? Ist da nicht alles Gute, was passiert, ein Zeichen? Ich denke, schon. Ich hibbel der Sache jetzt ein bisschen entgegen. Ich werde mir jedenfalls dann eine neue Flasche Coral zulegen …. das Glückstuch wäre dann quasi eine zu pflegende Reliquie des Glücks.

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(Nicht jeder findet Enea/Pius so klasse? Ich kann das nicht verstehen)

Historiker als #Influencer

Meine Freundin, die liebe Notaufnahmeschwester, hat überlegt, wie ihr Leben als Influencer aussähe. Wie wir alle wissen, rennen die Promiwerbeträger den ganzen Tag mit speziellen Tees und ihrem Feinwaschmittel unter dem Arm durch das Leben – ähnlich wie die Franzosen den ganzen Tag ein Baguette unter dem Arm tragen. Dafür bekommen sie – im Gegensatz zu den Franzosen – Geld.

Ich war gleich ganz neidisch, weil diese Coralwerbung natürlich nicht bei jedem Influencer funktioniert – Unilever ist wohl aus diesem Grund noch nie auf einen Geisteswissenschaftler zugekommen. Vielleicht liegt es aber auch an der Reichweite? Wer liest heutzutage schon Bücher? Trotzdem bin ich nicht gewillt, das Projekt einfach aufzugeben. Man muss doch nur das Produkt wechseln. Es ist ja jedem klar, dass Schönheit vergänglich ist und lediglich der Charakter und die Intelligenz ausschlaggebend ist (muhahaha), deshalb sind Historiker*innen eigentlich die geileren Werbeträger. Keiner kennt unsere Gesichter und wenn man in trauter Runde erzählt, was man so macht, dann kommt doch zumindest ein anerkennendes Nicken. (Ok, und die Frage, ob wir alle Taxi fahren – aber das muss ja nun, dank cleverer Werbestrategie nicht sein). Hey Unilever!

Natürlich habe ich immer eine Flasche #Coralblack im Haus und auch immer dabei! Noch nie war mein wissenschaftlicher Apparat so sauber! Dank #Coralblack habe ich die interessantesten Fußnoten, die jeden interessieren – und sie glänzen in der Leselampe wie chinesischer Lack im Sonnenschein.

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Das Ganze wird natürlich noch spannender, wenn man Mediävist ist! Mittelalterhistoriker! Noch nie, wirklich NIE, war das finstere Mittelalter so finster. Noch finstereres Mittelalter dank #Coralblack! Es ist so finster, ich könnte mich gruseln.

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(das Buch von Carlo Ginzburg zu Wahrheit ist wirklich gut!)

Ja, und nicht nur das! Als ewiger Trendsetter der Blazer tragenden Frauenfraktion ist mein Tagungsblazer jetzt noch schwärzer als Schwarz. Dank #Coralblack! Ich geh ja ohne nicht mehr aus dem Haus!

Blazercoral

Schwarz haben übrigens eigentlich die Burgunder als Farbe an ihrem prächtigen Hof im Mittelalter erfunden – es war so scheisse teuer – das wollte dann jeder. Phantastisch! Dank #Coralblack verbinden sich nun Tradition, europäische Geschichte und moderne Waschmittel zu einer einzigartigen Kombination! Da wird ja der Pleurant am Prachtgrab neidisch!

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Also, ich geh NIE mehr ohne – zumindest, bis ich reich oder berühmt bin. 😀

Florenz – oder: Sorry, sagt Lufthansa

Eine der beeindruckendsten Vorlesungen, die ich je besuchen durfte, war im ersten Semester die über Florenz im Mittelalter. Ich hatte sofort beschlossen: das muss ich sehen! Es hat dann leider noch vier Jahre gedauert. Ich war vorbereitet. Ich hatte einen Sprachkurs besucht, Wochen vorher Onlinetickets für alles gebucht, eingekauft.. los gings.

Es war eine tolle Woche. 50 Grad in der Sonne, eine Laufleistung von 15km/Tag.

Wir waren im Dom, in den Uffizien, im Baptisterium, in Santa Croce.. endlich die Nacht von Taddeo Gaddi sehen..

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in Santa Maria Novella.. und in der wohl ältesten Apotheke, die mal zum Kloster gehörte, im Medici-Palast

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wir konnten die Keramiken von de la Robbia anschauen..

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und in Siena den Dom.. die Picolominibibliothek… es war phantastisch. Immer im Geiste dabei: mein Schwiegerpapa, dem ich (auf italienisch!) seine geliebten kandierten Veilchen gekauft hatte, Parfum aus Santa Maria Novella und Bonbons.. Schinken aus der Markhalle von Florenz…und mir ein seidenes Tuch mit der Decke der Bibliothek drauf.

Dann kam der Tag der Abreise. Unser Flieger kam nicht. Ich telefonierte mit LH. Die sagten, es gehe kein Flug mehr, der Flughafen sei gesperrt wegen Wind. Der Flughafen wusste das nicht. Nach für nach flogen aber immer mehr Flieger nicht ab. Menschen kamen an ihre Grenzen. Eine Frau war der Meinung, man sage uns nicht die Wahrheit. Sicher handele es sich um Terror. Eine andere konnte weder Italienisch noch Englisch und die Ansagen nicht verstehen. Ein japanisches Pärchen reichte mir das Handy, damit ich mit ihrer Tante in Berlin sprechen sollte – die konnte Deutsch und den beiden dann auf Japanisch erklären, was passiert. Ich habe übersetzt, wie ein Weltmeister, Leute getröstet und organisiert, so gut es ging. Nach vielen Stunden kam ein Bus, der uns wegbringen sollte, zum nächsten Flughafen. Das war Verona…. Verona liegt so drei Stunden von Florenz entfernt. Wir kamen gegen 22:00 an.. als das Restaurant gerade schließen wollte. Schnell noch etwas essen (das hatten wir den ganzen Tag nicht) und schnell schlafen, denn um 4:00 sollte es weiter gehen..in die Flieger nach Hause.

Etwas in mir sagte: „Nimm die Kamera aus dem Koffer!“ und wohl, weil ich so müde war, nahm ich sie raus. Wir zuppelten zum Flughafen.. das Gepäck wurde aufgegeben, wir stiegen in München um.. wir standen in Berlin am Gepäckband… es stand still… mein Koffer war weg!

Weg! Meine Bekleidung, meine Schuhe! Mein Tuch! Die ganze Kosmetikabteilung! Aaaah! Das kann man jetzt lächerlich finden – aber es waren doch meine Sachen. Manche hatte ich noch nie getragen (Ihr kennt das – etwas ist so gut, dass es geschont werden muss) Also gaben wir eine Lost and found Anzeige bei Lufthansa auf. Wir bekamen einen Zettel, auf dem stand: „Sorry! Wir tun alles, um Ihr Gepäck wiederzufinden!“ Am nächsten Tag rief ich dort an. Nö, der ist noch nicht getrackt worden. Man hat dann ja Fragen: wo war er denn zuletzt? Ist er noch in Verona? Soll man da mal anrufen? Was unternehmen Sie denn?

Die Dame da war so genervt, als hätte ICH IHR Gepäck verloren. Und nicht, die Firma meins. Was sie täten? Nix. Wenn niemand einen Laser an das Bagtag hält, wird er nicht gefunden. Sorry halt! Darauf warten sie jetzt 100 Tage. Solange kann ich folgendes tun: nix. Solange habe ich folgende Ansprüche: keine. Danach kann ich einen Antrag stellen. Sorry! Sorry, Leute, da is dann WINTER. Da brauch ich mir keine Sommerhose kaufen und bis dahin hätte ich mir auch gerne mal wieder die Zähne geputzt und mich geschminkt. Von frischen Schlüppis mal zu schweigen! Gut, ich bekam dann ja in der Klinik den sexy Netzschlüppa, aber die Lösung war das nicht. Zudem war auch noch eins meiner Lieblingsbücher im Koffer. Eine signierte Ausgabe. Mir ist, als habe man Pius II. entführt. Ich will meinen verdammten Highlighter wieder- und mein Tuch! (das man nicht online bestellen kann!). Ich bin wütend und traurig.

Ich habe heute etwas nachgeshoppt. Manche Sachen habe ich auch nochmal kaufen können – is ja Saisonende. Manche nicht. Irgendwo ist jetzt Pius alleine mit meinem Tuch in meinem Koffer. Und jeder Menge Dreckwäsche. Ein komisches Gefühl bleibt. Wie soll man verfahren? Nur noch mit Handgepäck fliegen? Gemischte Koffer, damit man irgendwas zum Anziehen hat, wenn einer verloren geht? Wie überhaupt kann sowas passieren (uns es passiert statistisch gesehen massenhaft!)? Und warum meiner, nicht der meines Mannes? Das is alles nicht fair und die Erholung (wenn man bei über 70km in der Hitze von Erholung reden konnte), ist dahin.

Sorry.. ich fass es nicht.

 

Schwestern sind so nett! – leider…

Von gestern auf heute durfte ich wegen einer kleinen Not-Op (nun, das Wort ist nur ein Wort) in der Klinik bleiben. Oft lese ich ja in den einschlägigen Foren: „Ich mache meinen Beruf mit Herz! Ich liebe meine Patienten! Man muss nett sein, sonst hat man den Beruf verfehlt!“… Leute.. nee… am Arsch!

Aus dem Saal kam ich mit einem fetten shivering. Die Schülerin, die mich betreut hat (<-!), war sehr besorgt. Ob mir kalt sei? Ob ich noch Decken bräuchte?.. Obwohl ich noch lull und lall war, hab ich ihr die Nachwirkungen von Narkosen erklärt. Sie war sehr nett – und ich war mal gut – da mussten wir uns irgendwie ergänzen.

Nach der Narkose lief der übliche Tropf. Ich wartete ungeduldig auf das Ding, damit ich endlich auf die Toilette konnte. Als das endlich soweit war, fragte sie, ob ich mir das zumuten möchte….. Ausschwitzen ist da leider keine Option. Außerdem bin ich Raucher.

Zum Abendbrot „hatte sie mir irgendwas so zusammengestellt“. Kommunikation wird ja völlig überbewertet! War auch nicht zu leisten, denn auf dem Gang unterhielt sich die Vollfachkraft über die Belastungen im Beruf (die sie wohl empfand, aber die echt bei halber Kraft voraus auf der Station nicht da war). Liebe Vollschwester: es wird Zeit, zu gehen.

Dass der Nachtdienst da war, war eine Entdeckung, die ich zufällig machte. Früher ist man ja noch durchgegangen, da wusste man, wie die Nasen aussehen, die einem eventuell auf den Keks gehen. Wir Patienten hingegen waren da nur Papier – aber nett waren sie alle.

In 3 Diensten (auf einer Chirurgie) hat niemand mal auf den Verband geguckt. Genau deshalb war ich aber da. Aber nett waren sie alle.

Natürlich konnte ich nicht einschlafen. Ja, mein Biorhythmus war defekt. Aber es wäre auch schön gewesen, die „leben sie noch“? Runden mit der Frage, ob ich schon schlafe, einfach zu lassen. Wenn ich geplant hätte, weg zu sein oder aus dem Fenster zu springen, dann hätte das Nachschauen eh nix genutzt. Den Verband kannte sie ja nicht. Sie war aber sehr nett.

Um 0:00 war ich nochmal unten. Tücke: man kann raus, aber nicht rein. Hey, ein Zettel wäre schön. Dann hätte ich das gewusst. Der mich anschnauzende Pförtner war nicht nett (Hier is Nachtruhe!!), aber er war kompetent (wusste, dass die Tür zu war, im Gegensatz zu mir und konnte sie öffnen).

3 Dienste habe ich gefragt, ob sie noch planen, mein Leben mit der zerknickten Rosanüle zu retten? Die Antworten: später, bei der Visite, nachher, bevor Sie gehen… endeten mit einer schnellen Ziehung auf dem Gang. „Drücken se ma!“ (ich hatte jedem erklärt, dass ich Schwester war)… man ist geneigt, zu sagen : nee… ziehen se mal!  Außerdem: ENTWEDER, du Idiot! drückst auf die Braunüle ODER du ziehst sie. Beides gleichzeitig ist vermeidbarer Schmerz. Ist ja auch irgendwie logisch! Aber NETT war er….

Der Verband wurde mit dem OA entfernt. Ich bekam, unter den durchgesippschten Netzschlüpfer (oh ja), eine sterile Kompresse ohne Pflaster. STOP KIDDING ME! Aber nett waren se.

Traurig maß meine Vitalwerte (nach 3 Diensten) eine Pflegestudentin. Ich sprach sie an und sie sagte, die, die schon ewig am Bett arbeiteten, hätten dafür keine Toleranz. DAS glaube ich. Dafür waren die viel zu nett! Ich tröstete, so gut es ging. Das Mädel wird ihren Weg machen. Die hatte nämlich was drauf. Nicht, wegen des Studiums, sondern weil sie einfach gut war. Vielleicht ETWAS weniger nett.

Nett, meine Süßen, ist die Schwester von Scheiße. Das klemmt Euch hinter die Ohren.

Ich verzichte auf all Eure jammernde Nettigkeit. Gute, echte Pflege – das hätte ich schön gefunden.

 

Hilfsmittelblues

Wenn Brillen das Attribut der Gelehrsamkeit sind, dann hab ich es jetzt offiziell geschafft.

Alles fing ganz harmlos an. Irgendwie schwammen die Buchstaben und ich konnte nicht mehr so viel Text in meinen Kopf drücken. Kommt vom Stress, dachte ich. Kam aber nicht vom Stress, kam von einer veritablen Hornhautverkrümmung und einer altersbedingten (<– *kreisch*) Weitsichtigkeit.

Ihr wisst, wie sowas läuft. Augenarzt, Optiker, komisches Gestell auf die Nase – Austauschgläserproben. Zack.. ging die Sonne auf und da waren glasklare Buchstaben. Na gut, dachte ich, wenn das alles ist.

Fröhlich also mit dem Hilfsmittelrezept zum Optiker… nein, gelogen… zu ALLEN Optikern. Ich hatte klare Vorstellungen. Schwarz, groß und ich will nicht vom Rand belästigt werden beim Gucken. Um ehrlich zu sein – die ersten Optis haben mein Konzept nicht begriffen. Da wirste dann mit Gestellen zugeschmissen. Randlos, grün, blau….und sollst in einen Spiegel gucken, um zu gucken, wie das ausschaut. Ich mein – Weitsichtigkeit. Ich hab also nix von einem Handspiegel vor meiner Nase. Es hat STUNDEN gedauert. Dagegen ist Schuhe kaufen ein Einhornpups.

Endlich haben wir dann einen Optiker gefunden, der begriffen hat, worum es mir geht (und um ehrlich zu sein, ging es mir auch um ein bestimmtes Label). Es gab genau 2 Gestelle. Geht doch, ändert doch sofort etwas an der Qual der Wahl. Und – ich will hier bestimmt nicht werben – aber der „Brillenmacher“ in Berlin ist die für mich kundenorientierteste Einrichtung ever, ever, ever.

Ich hatte dann also das Ding auf der Nase und jemand anders aus der Filiale kam aus den hinteren Bereichen des Ladens. Diese Chance habe ich sofort genutzt. „Was halten Sie von dieser wundervollen Brille?“ Er fand sie – vielleicht auch durch die Frage 😉 – genauso wundervoll wie ich. Das nenne ich Service. 3 positive und fast unabhängige Meinungen neben meiner auf einen Schlag. Die der Verläuferin, die des Verkäufers und die meines Mannes, der endlich, endlich, endlich aufhören wollte, Brillengestelle auszusuchen.

Jetzt ist sie da. die Brille. Und ich werde verrückt mit dem Ding. Ich kann nicht ein Blatt und zeitgleich den Beamervortrag lesen. Ich vergesse, sie aufzusetzen, ich vergesse, sie abzusetzen. Ich bin mit der Brille mehr beschäftigt, als mit dem Inhalt, den ich lesen möchte. Ich werde verrückt mit dem Teil. Ich schiebe sie in die Haare, ich suche sie auf meinem Kopf, ich mäkel wegen der Haarsprayflecken drauf, ich weiß nicht, wohin mit ihr. Lesebrillen sind die veritable Möglichkeit, Leute in den Wahnsinn zu treiben.

Ich müsste sie beim Smartphonen tragen, ich müsste sie zum Telefonieren aber absetzen. Ich kann nicht mit ihr laufen aber ich kann nicht ohne sie lesen. Alles ist Pomade. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Sie stört. Ich verstehe jetzt besser schusselige Leute, die ihre Brillen verlegen. Sie stört beim Denken, sie geht mir auf den Keks. Selbst, wenn ich am PC mal schnell hochschaue, muss ich fast reihern. Ich tu mir so leid.

Vielleicht ist ja irgendwann mal ein Hörgerät dran. Da könnt Ihr sicher sein, das stell ich aus

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