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monjaschuenemann

Hilfsmittelblues

Wenn Brillen das Attribut der Gelehrsamkeit sind, dann hab ich es jetzt offiziell geschafft.

Alles fing ganz harmlos an. Irgendwie schwammen die Buchstaben und ich konnte nicht mehr so viel Text in meinen Kopf drücken. Kommt vom Stress, dachte ich. Kam aber nicht vom Stress, kam von einer veritablen Hornhautverkrümmung und einer altersbedingten (<– *kreisch*) Weitsichtigkeit.

Ihr wisst, wie sowas läuft. Augenarzt, Optiker, komisches Gestell auf die Nase – Austauschgläserproben. Zack.. ging die Sonne auf und da waren glasklare Buchstaben. Na gut, dachte ich, wenn das alles ist.

Fröhlich also mit dem Hilfsmittelrezept zum Optiker… nein, gelogen… zu ALLEN Optikern. Ich hatte klare Vorstellungen. Schwarz, groß und ich will nicht vom Rand belästigt werden beim Gucken. Um ehrlich zu sein – die ersten Optis haben mein Konzept nicht begriffen. Da wirste dann mit Gestellen zugeschmissen. Randlos, grün, blau….und sollst in einen Spiegel gucken, um zu gucken, wie das ausschaut. Ich mein – Weitsichtigkeit. Ich hab also nix von einem Handspiegel vor meiner Nase. Es hat STUNDEN gedauert. Dagegen ist Schuhe kaufen ein Einhornpups.

Endlich haben wir dann einen Optiker gefunden, der begriffen hat, worum es mir geht (und um ehrlich zu sein, ging es mir auch um ein bestimmtes Label). Es gab genau 2 Gestelle. Geht doch, ändert doch sofort etwas an der Qual der Wahl. Und – ich will hier bestimmt nicht werben – aber der „Brillenmacher“ in Berlin ist die für mich kundenorientierteste Einrichtung ever, ever, ever.

Ich hatte dann also das Ding auf der Nase und jemand anders aus der Filiale kam aus den hinteren Bereichen des Ladens. Diese Chance habe ich sofort genutzt. „Was halten Sie von dieser wundervollen Brille?“ Er fand sie – vielleicht auch durch die Frage 😉 – genauso wundervoll wie ich. Das nenne ich Service. 3 positive und fast unabhängige Meinungen neben meiner auf einen Schlag. Die der Verläuferin, die des Verkäufers und die meines Mannes, der endlich, endlich, endlich aufhören wollte, Brillengestelle auszusuchen.

Jetzt ist sie da. die Brille. Und ich werde verrückt mit dem Ding. Ich kann nicht ein Blatt und zeitgleich den Beamervortrag lesen. Ich vergesse, sie aufzusetzen, ich vergesse, sie abzusetzen. Ich bin mit der Brille mehr beschäftigt, als mit dem Inhalt, den ich lesen möchte. Ich werde verrückt mit dem Teil. Ich schiebe sie in die Haare, ich suche sie auf meinem Kopf, ich mäkel wegen der Haarsprayflecken drauf, ich weiß nicht, wohin mit ihr. Lesebrillen sind die veritable Möglichkeit, Leute in den Wahnsinn zu treiben.

Ich müsste sie beim Smartphonen tragen, ich müsste sie zum Telefonieren aber absetzen. Ich kann nicht mit ihr laufen aber ich kann nicht ohne sie lesen. Alles ist Pomade. So habe ich mir das nicht vorgestellt. Sie stört. Ich verstehe jetzt besser schusselige Leute, die ihre Brillen verlegen. Sie stört beim Denken, sie geht mir auf den Keks. Selbst, wenn ich am PC mal schnell hochschaue, muss ich fast reihern. Ich tu mir so leid.

Vielleicht ist ja irgendwann mal ein Hörgerät dran. Da könnt Ihr sicher sein, das stell ich aus

Texte wie Nougat…

Manchmal beim Arzt lese ich yellow-press. Die meisten Leute dort kenn ich nicht mehr. Ich habe auch keine Ahnung, was sie können. Am Rande bekomme ich mit, dass Leute heute verehrt werden, weil sie sich pink anziehen können, einen Po haben oder – weshalb macht Ihr das?- einfach sinnlos andere Leute niedermachen. Ich hingegen mag Leute, die echt was auf der Pfanne haben. Einer davon ist eines meiner Lieblingsvorbilder (ich habe 4 davon), der Mediävist Arnold Esch. Jeder möchte eigentlich schreiben können wie er. Seine Texte sind wie Nougat. Du steckst sie Dir in den Kopf und sie verheißen alles Gute in der Welt, machen ein warmes Gefühl, nehmen Dich mit auf eine Wiese vor Rom in der Renaissance. Du kannst den Kardinälen beim Kirschenpflücken für den Papst zusehen oder mit einem Finanzbeamten durch die sengend heiße Stadt laufen und an den Türen der römischen Bürger kopfen, bis Dir selbst die Schweißperlen laufen und Du alle Familien in Trastevere kennst – im 15. Jh.

Die Texte wispern Dir auch zu: sorge Dich nicht. Es gibt keine Regeln. Sie sind nur in Deinem Kopf, nimm sie nicht an, mach einfach, was Du willst und mach, dass es gut klingt. Dann nehme ich meinen jämmerlichen literarischen Zauberstab, um die Welt ein bisschen so zu verzaubern und aus ihm spotzen drei erbärmliche Fünckchen. Die Texte sagen dann: nicht schlecht für den Anfang. Noch 30 Jahre Übung. Hab nur Mut. Was Linus sein Schnufeltuch ist mir „Landschaften der Frührenaissance“. Ich schleppe es mit. Mein Mann fragt auf Kurzreisen „Hast Du Arnold dabei?“. Und irgendwie gehört er zur Familie. … Ich kenn den Mann gar nicht.

Heute ändert sich das. Er spricht und wir dürfen kommen. Das ist wie eine Einladung von der, die sich rosa anziehen kann. Oder von George Clooney. Auf jeden Fall ist es für die vielen schönen Stunden gerechtfertigt, dass man sich gut anzieht. Code. Code (meistens Hosenanzug mit Bluse) ist eine komische Sache. Code heisst: ich kenne den Code, ich werde ihn einhalten. Code heisst auch: ich erwarte, hier ernstgenommen zu werden. Code für Frauen ist schwierig. Bedeuten Hosenazüge nun, dass die Frau sich weigert, eine Frau zu sein? Sollte sie Röcke tragen? Bedeuten Röcke nun, dass sie zu sehr darauf setzt, eine Frau zu sein? Was ist mit Schminke? Schminke und Intelligenz sind eine Gratwanderung. Haben geschminkte Frauen überhaupt etwas drauf? Deshalb bekommt er den MEGACODE. Nude-schwarz-nude-schwarz. Das Irre an Codes ist: es klatscht keiner. Eigentlich kannst Du aussehen, wie Du willst. Es ist nur in deinem Kopf. Ich trage Code:

  • auf Premieren
  • bei meinen eigenen Vorträgen
  • wenn mir danach ist
  • wenn ich arbeite (außer an Montagen mit Hackenporsche)
  • bei Anlässen (auch nichtigen – einfach aus Respekt)

Code ist das Baumwolldress von früher. Manchmal fände ich es auch besser, wieder in eine blaue Hose hopsen zu können und mir ein Stethoskop um den Hals zu hängen (was übrigens auch ein Code ist).

Ich habe vielleicht weniger Probleme damit, weil ich ein 80er Kind war. Ich liebe Blazer. Ich habe Haufenweise. Über den Rest sollen sich die Jungen Gedanken machen.

Ach ja, Code. Heute Abend also, trage ich Schuhe, die ich gerade erst gekauft habe. Sie werden drücken, es wird nicht schön sein. Meine Füße werden anschwellen und ich werde angestrengt versuchen, nicht angestrengt auszusehen. Der Mann weiß das nicht. Ich habe für diese Aktion, die keiner wahrnimmt oder sieht, eine Verkäuferin an den Rand der Dienstuntauglichkeit gebracht, weil ich einfach genervt habe, als wäre es nicht irgendein Laden sondern handmade in Mailand. Es tat mir leid, aber das war er mir wert. (Vielleicht kaufe ich ihr mal eins seiner Bücher, damit sie mich besser versteht).

Meine Vorbereitungen im Bad werden denen von Bridget Jones um nichts nachstehen. (Vorteil, um Schlüppa muss man sich überhaupt keine Sorgen machen!)

Auch die Mädels sehen phantastisch aus. Beine bis in den Himmel (heul doch, Beyoncé!) und eigentlich müsste Lagerfeld um die Ecke geschossen kommen und beide wegschnappen. Am Ende werden wir aber bloß drei Gestalten gewesen sein, die er am Rande wahrnimmt und die ihn mit einem Selfie genervt haben (falls man sich traut, das zu fragen und überhaupt durch die Massen kommt). Und ich werde abends wieder in meine Latschen zurückhopsen und davon träumen, einmal Texte wie Nougat produzieren zu können.

Schuhe

Mies erzogene Akademikerschnieptröten

23 Jahre arbeiten in einer (Uni)-Großklinik. Das macht was mit einem – da machste nix dran. In Kliniken grüßt man streng hierarchisch. Als Lernschwester alle, als Schwester alle, als Oberschwester hört man dann langsam damit auf – und wird gegrüßt, einfach, weil es auffällt, dass man nicht zuerst grüßt. Einzige Ausnahme: die Akademiker, vor allem die Professoren, die man automatisch und immer grüßt. Man hat nix davon, sie knallen einem trotzdem die Stationen voll. Man macht es einfach wegen der Höflichkeit – und weils nicht wehtut.

Als ich dann „in echt“ auf die Uni kam, dachte ich – oh Gott, Mädel, Du bist sooo naiv!- dass das so weiterginge. Gut zwei Jahre habe ich (meine) Professoren gegrüßt. Ich hatte nix davon, sie haben meine Noten ja schon geschrieben. Einfach aus Gewohnheit. Ich habe natürlich auch lehrstuhlfreie Dozenten gegrüßt. Einfach der Höflichkeit wegen, und weils nicht weh tut.

Überhaupt dachte ich, das müsse DER Hort der Konventionen sein. Immerhin, so war die Denke, müssten die ja alle gut erzogen sein. Waren ja schließlich sehr viel länger daheim als ich. Dieses Denken hat mir, nach einem langen Lateintag dann die Putzfrau/Reinigungsfachkraft ausgetrieben, ohne es zu wissen. Auf die Stufen des Haupthauses setzte sich mit Schwung eine junge Frau. Den Kittel kannte ich, ich mein, die Firmen hatte ich schon in der Klinik. Neben ihr war ihr Kollege. Sie sagte: “ Ey, ich kann nicht mehr! Wie sehen denn hier die Toiletten aus? Ich denke, das sind alles Studierte? Das ist so dreckig hier, dat also sind die Tollen aus der Gesellschaft, ja? Was fürn Scheiß! So dürften meine Gören nicht mit dem Klo umgehen, und die haben nur Oberschule!“ Schmiss die Zigarettenkippe in den Ascher und verschwand. Leider – und ich sage das trotz Loyalität – hatte sie recht.

Grüßen hat mir dann mein Prof. abgewöhnt – ganz, ohne es zu wollen. Nachdem ich guten Tag sagte, und weiterging, fragte er mich schnell, was er für mich tun könne. Ich sagte wahrheitsgemäß: „Nichts. Ich hab nur „guten Tag“ gesagt.“ Das Gesicht vergesse ich nicht. Ich tat es danach nie wieder. Manchmal nicke ich noch heimlich und lächle. Ich fühle mich um meine Konventionen beschissen.

Ich wohne auf einem Dorf. Hier grüßt jeder jeden. Ob er ihn kennt, oder nicht. Ich sehe ein, dass das in einer Großstadt nicht geht. Aber man kann sich nicht „knowledge wins“ auf die Fahne schreiben und sich dann verhalten, wie ein Arsch. Dann ist man nämlich nicht gebildet, sondern nur ein dämlicher, soziopathischer Vollasi. Soziophob bin ich auch, aber ich sage denen wenigstens Tag.

Mit der Selbstreflektion ist es, trotz hohem geistigen Potential nicht weit. Die eine quasselt so laut, dass ich eher ein Zelt auf einer Landebahn bewohnen würde, als die Bude neben ihr. Wieder andere möchte ich liebend gerne fragen, ob man ihr irgendwann in den Frontallappen geschissen hat. So miese Laune kann keiner verbreiten, so ätzend auf die eigenen Leute losgehen und so abgefuckt arrogant sein, dass ich ernsthaft über das System der Klassenkeile nachdenke. Was anders ist, als bei „uns“ in den Kliniken: es wird nach oben zwar gegrüßt (wenn es sich lohnen könnte), nach unten aber geätzt. Das ist in meinen Augen gar nicht Aki, sondern asi. Punkt. Man möchte rufen: „Lesen Sie deren Bücher nicht! Falten Sie weiße Papiertauben draus und lassen sie sie fliegen, damit die Welt sich einmal an ihr freuen konnte!“

Ich habe beschlossen, mein Verhalten jedoch nicht weiter zu ändern. Ich bleibe meiner schwesterlichen Erziehung treu. Grüß ich halt leise. Sollte ich je die Weltherrschaft an mich reißen, führe ich Benimmkurse ein. Soviel ist sicher. Vielleicht verschenke ich die Tage auch einfach mal einen Knigge. Die Dummen brauchen vielleicht unsere Hilfe mehr, als sie ahnen.

Arschlochmontag….

Es gibt ja so Tage, die sind so scheiße, die nimmt Dir ja nichtmal ein erfahrener Proktologe so ohne weiteres ab: bei mir ist das der Montag.

Eigentlich grault es mich schon am Sonntag, weshalb ich mich ja gerne mal am Nachmittag aufs Ohr haue. Leider ist mein Biorhythmus damit nicht einverstanden, trotz Dekaden im Schichtdienst. Ja, einmal versaut, wird er zickig. Ich kann regelmäßig nicht einschlafen. Der Wecker steht auf 04:00….

01.33…. ich habe keine Ahnung, weshalb Nachtigallen romantisch sein sollen. Der blöde Vogel sitzt jeden Mai in meiner Walnuss und röhrt laut wie ein Hirsch. Nächtliche Natur wird völlig überbewertet, dank Caspar David Friedrich.

01:45… Griff zum Handy…. Audible hilft immer. Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich Fontanes Wanderungen oder Adornos Vorlesungen anschalten soll. Denke eine Weile darüber nach…. regt mich so auf, dass ich richtig wach werde.

Filmriss…

04:00… TRÖÖT TRÖÖT TRÖÖT… pünktlich ist der Wecker, da kann man ihm nichts nachsagen. JETZT kommt mein Moment (der mich irgendwann die Ehe kosten wird, das gebe ich ganz offen zu): ich MUSS nämlich noch gar nicht aufstehen und kenne mich seit Jahren so gut, dass ich weiß, dass ich ihn jetzt eine Stunde bekämpfen werde. Alle 9 Minuten trötet es und ich prügel wild auf dem Nachttisch rum, bis er leise wird. Ich bin so unfassbar müde – mein Mann auch, aber der ist jetzt wach. Ich nicht, ich kann schließlich noch ne Stunde schlafen.

05:15… Ich sitze an der Küchenbar, meine Rechte hält die Kaffeetasse fest. Kein Unterschied in Körperhaltung und Aussehen zur Ötzimumie feststellbar. Der Tag ist so gemein.

06:30… zu viele Leute auf der Straße, massenhaft Gestalten auch an der Tanke. Bestelle einen Pfeffitee….

07:30..Parken an der Uni. Schleppe mich über die Treppe zur Mensa. Kaffee und Pfeffitee werden übereinander gestapelt. Der Tag ist so gemein.

08:15.. lesen spätantike Gesetze… Ammen sollen zur Strafe für Vergehen heißes Blei in den Mund gekippt bekommen. Verbrenne mir vor Schreck die Zunge am Tee. 09:45.. leider schon vorbei. Doch, ich mag Seminare. Ich nuckel dabei die ganze Zeit am Kaffee und Tee und denke so vor mich hin. Genau mein Style. Ötzi kann das nicht.

10:00 die Arbeit beginnt. 15 Minuten für die Fahrt müssen reichen. Leider ist heute DER Montag. Bibliotheksdienst. Das bedeutet, die ganze Stadt nach Bestellungen abgrasen, die unsere Wissenschaftler gemacht haben. Die.Ganze.Stadt. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, haben wir einen Hackenporsche. Ein ausladendes Gerät. Anders ist es aber kaum möglich, die Bücherflut zu stemmen.

Hackenporsche

Dabei kann man Erfahrungen sammeln.

Unibibliothek: die junge Studentin, die am U-Bahnhof Flyer verteilt für ganz wichtige Sachen, gibt mir keinen. Ich bin alt, sehe nicht studentisch aus. Trotz, oder sogar WEGEN des Hackenporsches. Ich denke „blöde Schnieptröte!“ (danke, Barbara für das Wort) und vermute, dass sie schon in 25 Minuten in einem Seminar sitzen wird, wo sie steif und fest behaupten wird, dass Diskriminierung scheiße ist und sie sowas nie machen würde. Pah!

Jurabibliothek: die Juristin kann ihre Jacke nicht einschließen, weil sie keine Karte hat. Ich denke mir “ wer hat denn nun hier schon fertig studiert, Du oder ich, häh?“ und erkläre ihr das Eingeben eines Codes.

Nordamerikabibliothek: zwei Syrer sehen mich und den Hackenporsche und gehen zur Seite. Ich sage „Dankeschön“ und die beiden Jungs sagen sofort „bitteschön!“ Das sch klappt nicht so gut, aber es werden am Ende des Tages die einzigen gewesen sein, die nicht versucht haben, sich an dem Wagen das Genick zu brechen.

Staatsbibliothek: Heute muss mein Glückstag sein. Der Mann an der Ausgabe ist megahöflich. Zu früh gefreut, der Porsche und ich bleiben in der Klotür hängen. Einer von uns beiden hat Überbreite.

Back im Büro: 16:00… hurrah, eine Kleinigkeit zum Lesen ist angekommen.

Bücherwagen

Fühle mich wie Hermine Granger..etwas leichte Lektüre. Habe aber Lust wie Ron Weasley. Die letzten Wagenladungen waren nämlich in der Recherche frustran.

17:30… Feierabend. Für heute wirklich. Sonst ist um die Uhrzeit noch ein kleines Seminar. Heute ist also fast halbtags.

17:32… Die A100 ist gesperrt. 17:40.. das Kind hat Appetit auf Nudelauflauf.

18:22… an der Kasse vor mir läuft einer Dame ihr ganzes Bier aus und auf das Band. Möchte gerne mit dem Hackenporsche um mich schlagen.. aber, der steht nunmal auf der Arbeit.

19:08.. Nudelauflauf im Ofen… Orientiere mich bei der Notaufnahmeschwester, ob sie auch so einen blöden Tag hatte. Beruhige mich vollends. Bin nicht das einzige Opfer des Arschlochtags geworden.

Altenteil

Mutterschaft und Studium neigen sich dem Ende zu, und es steht die große Frage an: wie soll es denn aussehen, das Leben danach? Sicher, wir könnten einfach so weitermachen, wie bisher, das leere Nest bewachen, bis zu den großen Feiertagen mal jemand klopft, der etwas zu Essen und gewaschene Wäsche haben will. Sicher, ich könnte einen zweiten, dritten, vierten Master machen und Gräzistik studieren – da hätte ich mal wirklich was zum Verzweifeln.

Wir haben dann mal beschlossen: das wollen wir nicht. Wir wollen was anderes. Zuerst war es einfach nur ein spinnerter Gedanke: vielleicht gar nicht hier wohnen bleiben. Derzeit sind wir in der Recherche für ein neues Daheim. Unglaublich anstrengend! So ein Haus ist wie ein Kleid – aber eben ein gebrauchtes. Das hat schonmal einer getragen, der hatte meist einen anderen Geschmack. Ich könnte mir gut vorstellen, am Morgen eine Runde in einem Pool zu drehen – der Schulter wegen – und mein Mann könnte sich gut vorstellen, dass ich ein Ding an der Waffel habe – Technik ist im Endeffekt nämlich nicht so unsers. Ich könnte mir gut vorstellen, im Winter meiner „Was anzünden“-Leidenschaft nachzugeben: ein Kamin wäre schön. Ruhe wäre schön. In Ruhe schreiben wäre toll. Wieder Sporten – die Schulter verhindert größeren Ruhm – wäre schön. Jetzt, wo ich keine Verantwortung mehr habe, wäre Motorradfahren wieder schön. Das habe ich mir nach meinem Unfall damals verboten. Minirock ohne Beine – das sieht blöd aus und man sollte es vermeiden. Ich war damals zu blöd, von ABS auf Normalbremse umzusteigen – und stieg nicht mehr auf. Sicher ist sicher. Ich hatte ja Kinder.

Ich habe Hunderte Häuser gesehen in den letzten Tagen. Mit Ankleidezimmer (und rotem Thron dafür, hinsetzen beim Strümpfeanziehen – wie charmant) und ohne, mit zig Treppenhäusern und ebenerdig. Mit 1-12<-!! Bädern. Man ist ja nicht verrückt – zum Putzen reicht schon EIN Bad völlig. Wohnen hat eindeutig mit der Frage zu tun: wie will ich leben? Wie wollen WIR leben? Was BRAUCHT und was WILL man? Auch die Toscana war im Rennen – ganz kurz. Einfach abhauen. Rennen allerdings wollte ich dann in die nächste deutschsprachige Bib nicht über zig Kilometer. Reisen wäre schön: schwachsinnig, denn ich werde reisen müssen, um meine Aufgabe zu erledigen. Langweilig ist das alles jedenfalls nicht. Ein neues Leben muss her. Ein spannendes. Es wird nie langweilig, wenn man es nicht will. Wir haben jetzt etwas im Auge: es hat ein Bad im Erdgeschoss: man bleibt ja nicht immer mobil.

Die Mutter aller Beschwerden…was ist das für 1 Kaffee von der Stärkigkeit her? 1920er

Neulich habe ich beim Durchforsten von Akten aus einem Krankenhaus, das es nicht mehr gibt, entzückende Funde gemacht (auch nicht entzückende, aber dazu viel später). Ich fand einen Ordner mit der Bezeichnung „Beschwerden“. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei solchen Recherchen so in den 20ern unterwegs bin. Was mag es da zu meckern gegeben haben? Früher war doch alles besser? 😉

Ich fand die Mutter aller Beschwerden und möchte sie Euch nicht vorenthalten:

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„Am Sonntag den 9. cr. besuchte ich meinen Sohn, welcher auf Station 20 hoffnungslos danieder liegt. Mein Sohn beklagte sich darüber, dass selbigem der Kaffee nicht stark genug gekocht sei. Nach der Sprechstunde sprach ich diesbezüglich mit der Schwester, und bat höflichst, man möge doch den Wunsch meines Kindes nachkommen und entsprechenden Kaffee kochen. Im sehr schnipfigen Tone wurde mir von der Schwester gesagt, mein Kind hätte bemerkt, was ist denn das für eine Jauche (sei), jetzt muss der ganze Saal darunter leiden, persönliche Wünsche werden nicht mehr berücksichtigt.Ich bin derartige Ausdrücke von meinem Kinde nicht gewöhnt. Sollte aber dieser Ausdruck gefallen sein, so nehme ich selbigen zum Bedauern meines Kindes zurück. Ich gebe zu, dass der Dienst einer Krankenschwester des öfteren besonderer guter Nervenstärke erfordert, sowie das private Kaffekochen nicht gestattet ist. Aber ich meine trotzdem, dass man einem Kranken, dessen letzte Tage gezählt sind, nichts verübeln darf und zumal der Appetit bei meinem Kinde sehr schlecht ist, doch diesem Wunsch nach starkem Kaffee getrost nachkommen dürfte. In Beetz-Sommerfeld…..“ Es folgt der Tipp, die Schwester soll doch lieber am Markt Obst verkaufen.

Aka: suchen Sie sich doch einen anderen Job, wenn Ihnen dieser nicht passt.

Gehen wir logisch vor. Das verwöhnte Balg, das sicher schon 35 Jahre war, hat Sonderbehandlung gefordert, sie bekommen und ist dann rotzig geworden. Die Schwester hat sich über alle Regeln hinweggesetzt und den Kaffee gekocht.

A) für das Übertreten der Regeln hat sie Ärger bekommen

B) für diese Beschwerde hat sie Ärger bekommen

C) Gehalt gab es zu diesem Zeitpunkt nicht für Schwestern.

Wir folgern: an Dreistigkeit ist die Mutter aller Beschwerden kaum zu überbieten. HÄTTE die Schwester am Stand Obst verkauft, dann hätte sie wenigstens Feierabend gehabt, Obst nölt nicht rum, Geld hätte es gegeben und der Junge trotzdem keinen Kaffee.

Wir folgern weiter: Der Kaffee ist nicht stark genug scheint die alte Variante von: Was ist das für 1 Kaffee vong der Stärke her? zu sein. Über die anderen Fehler lasse ich mich mal nicht aus. Ich saß also im Archiv und hatte – stellvertretend für die Kollegin- eine unfassbare Halskrause mit Aortenpuckern. Ich habe dann meinen Impuls unterdrückt, die Nachfahren zu suchen und sie zu fragen, wie es dem Herren Urahn dann erging.

So sehr ich es immer wieder bedauere, dass Pflege so wenig Dokumente hinterlässt: für meine Kollegen, die sich in 100 Jahren mit Beschwerden befassen, habe ich etwas hinterlassen. Im Internet steht eine seitenlange Beschwerde über mich. Grund: ich hatte Frühdienst, zwei Nachfolgedienste sind ausgefallen und ich musste 27 Stunden bleiben. Mit Kids allein daheim. Man brauch nicht viel Talent, um zu wissen, dass ich am nächsten Morgen fast aus den Latschen gekippt bin. Ich „hatte einfach die ganze Zeit keine gute Laune!“ Das verführte zu einem Auftritt der Superlative. Und dem Tipp, wenn ich meinen Beruf nicht mögen würde, dann solle ich mir einen anderen Job suchen.

Letztlich habe ich das getan.

Ich arbeite jetzt keine 27 Stunden mehr am Stück.

Wer mal darüber lachen möchte: hier meine liebe Freundin Inge, die Euch auch was zum Thema zu sagen hat!

 

Einfache Wahrheiten, die Du nur kennst, wenn Du in der Pflege arbeitest…

Wahrlich. Wie will man ernst genommen werden, wenn man seine Sprache und sein Verhalten den Laien anpasst? Und es gibt eine Menge Wahrheiten, um die sich Pflegewissenschaft nie gekümmert hat. Wer also auf der Suche nach einer Bachelor-Master-Doktor-Thesis ist, den bitte ich um Erklärung folgender Phänomene:

  • Egal, wohin Du kommst. Der dunkle Waschlappen ist immer „für unten“. Weshalb ist nie der bunte, helle, lustige Waschlappen „für unten“? Ich mein, „mit unten“ kann man ja ne Menge Spaß haben. Weshalb also sehen diese Körperteile nie die fröhlichen Lappen? #bunteLappenandieLippen #yolo
  • „Oh mein Gott! Liegt er im künstlichen Koma??“ *Panik. „Nee, der liegt in der Langzeitnarkose!“ „Ach so, dann ist ja gut!“…. Sind wir eigentlich bekloppt, das so zu übernehmen? „Künstliches Koma“. Was ist dann bitte ein natürliches Koma? Das ist, wenn Dir die Arterien im Schädel durchgeknallt sind, Du ein SHT hast, etwas Furchtbares passiert ist. Weshalb also meinen wir, dass die Begrifflichkeit „künstliches Koma“ weitergeführt werden sollte? Das ist doch nur arschiger Laienbullshit, der Angst macht.
  • Ähnlich dusslig ist: er ist künstlicher Bluter. Welcher Arzt hat sich das ausgedacht? Welche Vollidioten haben das verbreitet? Es fehlt kein Gerinnungsfaktor. Alles wird gut, wenn man sich schneidet, es muss niemand verbluten (im Normalfall). Es ist auf jeden Fall besser, als eine verstopfte Herzkranzarterie.
  • Ich erwarte, dass jemand eine Statistik aufstellt. Ich habe folgende These: Je weniger sich die Arschkrampenverwandtschaft beim Patienten im letzten Jahr hat blicken lassen, desto wahrscheinlicher die Beschwerde. Das nennt man „Reziproportionalität“. Keine Beschwerde sollte dazu dienen, das eigene miese Gewissen, weil man sich bei Mama-Papa-Oma-Opa ewig hat nicht blicken lassen, zu verringern, in dem man seine widerliche eigene Unvollkommenheit auf die Profis abwälzt.
  • Es ist eine Notfallklingel. NOTFALL. Eine Station ist kein verdammtes Flugzeug, Schwestern sind keine Stewardessen. Wenn Sie das wollen, schiffen Sie sich auf der AIDA ein. Wahlweise auf der Airforce-One.

Letztens gab es einen Bericht über die Kollegen im Urban. Die werden bespuckt, mit Prügel bedroht und gar beleidigt. Alles hat Grenzen, liebe Gesellschaft. Liebe Pflege: diese Grenzen setzt Ihr selbst. Es gibt soviel political correctness im Sprachgebrauch. Fangen wir wieder damit an. Kein „Bitte“-keine Leistung. Service wird übrigens im Hotelbetrieb bezahlt. Nur in der Klinik darf sich jeder so benehmen, als hätte er sich grade mit 10 Millionen in den Konzern eingekauft. Das ist fatal.

UND VERGESST DIE HELLEN WASCHLAPPEN NICHT!

Wie man sich bei Krankenschwestern richtig bedankt, oder: Danke heißt..Merc(HALT DIE FRESSE!!!)

Wenn wieder ein Artikel über die Minderbezahlung von Pflege erscheint, dann sind sich alle einig: Krankenschwestern (und ich meine immer auch Pfleger) sollten mehr Anerkennung und Wertschätzung bekommen. Wenn es dann aber so weit kommt, dann hapert es oft mit der Wertschätzung. Dabei kann es relativ einfach sein. Hier mal eine fröhliche do and dont Liste für das Danke nach dem Krankenbett.

Meine Favoriten: 

  • ein Scheich hat uns jeden Tag mit seinem Butler eine besondere Torte aus dem KaDeWe kommen lassen. Er hatte seine diebische Freude daran. Die Torten waren mit Blattgold belegt. Wir waren verzweifelt, weil unklar war, ob man das essen kann. Man konnte, es zerfällt einfach zu Staub
  • Ein Weinbergbesitzer ließ eine Palette Wein abladen.
  • Ein Pfarrer enterte unsere Intensiv und sein Chor sang aus dem Weihnachtsoratorium ❤

Was ich und viele Kollegen nicht ertragen:

  • Merci. Glauben Sie mir bitte. Die Jahre nutzen die Geste ab!
  • Kaffee.
  • Selber gebackener Kuchen. Ich kenne einfach zu viele Haushalte, in denen man die Küche vom Klo schwer unterscheiden kann. Man wird das Stück danke sagend in den Müll werfen.

Es ist ja eigentlich nicht so schwer. Es ist für jeden Anlass und Geldbeutel möglich, sich erkenntlich zu zeigen.

Eine Regel.

Wenn Sie über die Rettung reingekommen sind: die haben Ihr Leben gerettet. Die geilen Sahnetorten kriegen trotzdem nur die Stationen. Das ist doch so unfair. Selbst, wenn Sie die Torte in der Mitte durchhacken, wäre es einfach fair. Rettungsstellenschwestern sind unheimlich neidisch auf die Stationen, die immer die niedlichen Babybilder haben, wo immer alle irgendwas hinschleppen. Das ist wie mit den süßen Delphinen, die immer alle süß finden. Die Seepferdchen finden das blöde!

Für den kleinen Geldbeutel:

  • das Billigste ist ein ehrliches DANKE. Auch, wenn Sie es nicht glauben: ein Lob, das ehrlich gemeint ist, tut einfach gut
  • auch selber gebastelte Karten kommen gerne und gut an. Die hängen wir sogar auf. Ja, wir geben an, wenn wir gelobt werden.
  • Schreiben Sie doch einfach mal eine email, wie GUT sie das Team fanden. An die PDL. Was glauben Sie, wie das runtergeht wie Öl auf der Morgenbesprechung.

Für den mittleren Geldbeutel:

  • wir sind Frauen. Wir mögen Blumen. Sogar im Stationszimmer. Torten kommen immer gut an. Es muss keine Blattgoldauflage sein. Ihr Stadtbäcker kann Ihnen helfen, oder die Tiefkühlabteilung. 30 Damen und Herren für 6 Euro glücklich machen – versuchen Sie das unterm Weihnachtsbaum.
  • Täglich desinfizieren wir unsere Hände mit diesem Zeug. Vielen springen die Hände davon auf. Spendieren Sie ihrer Schwester oder dem Team doch eine Tube wirklich gute Handcreme. Das bedeutet auch: passen Sie auch ein bisschen auf SICH auf. Ich will hier keine Werbung machen, aber Pflege weiß grundsätzlich, wie gut oder schlecht Cremes sind. Nehmen Sie ne WIRKLICH gute. LÓccitane oder etwas Bio. Rosenöl wird geschätzt.
  • Ein Raumduft. Da haben alle was davon. Aber bitte nicht „Zitrone“, das erinnert so an Klostein. Und Sie wissen ja: Fäkalien, davon haben wir genug.

Für den großen Geldbeutel:

  • Pflegende leben statistisch kürzer als andere Berufe. Helfen SIE doch ihrem Team, länger zu leben. Bestellen Sie einen Obstkorb. Sie haben noch nie gesehen, wie sich die Mädels über ne Ananas im Dienst freuen.
  • Krankenschwestern gehören zu den belesensten Frauen. Büchergutscheine gehen immer. Oder Karten für ne Lesung. Auch Musik-CDs werden gerne genommen.
  • Sprechen Sie mit dem Physiotherapeuten, was eine interne Massage kostet. Der Rücken Ihrer Primarynurse wird es Ihnen danken. Und Sie werden über die internen Preise staunen.

Da war doch wohl sicher was für Ihre Lieblingsschwester und das Team dabei? Ich habe in meinem Leben übrigens 30.000 Patienten gerettet. Es kam nie einer zu uns zurück und sagte: ey, Danke.

Klinikhemden sexy tragen..

AEDL 7: sich kleiden können. Kennt jeder. Sich kleiden können, sagt aber auch aus: wie man will.  An meinem 17. Geburtstag war Schluss damit. Ich kam für 23 Jahre ins Krankenhaus. Krankenhaus – das ist der Hort der Modehölle. Es gibt ja mittlerweile Modeblogger und Modevlogger. Die bekommen einen Haufen Geld dafür, den anderen zu sagen, wie man sich schick und modisch anzieht.

Hier meine Tipps für 1,5 Millionen Krankenschwestern und ihre Patienten.

Farben und Schnitte: 

Es ist allgemeingültige Logik, dass Schwestern Weiß tragen. Hosen heute. Manche tragen auch Babyhellblau. Das ist echt nicht witzig, denn es steht nicht jedem. Begründet wird das mit der Hygiene. Kein Mensch kann erklären, weshalb die dann auf der Intensiv Gelb, Blau und Grün tragen. Ja, wegen der Farbenblindheit. Hand aufs Herz: wann hat es auf der ITSE das letztemal so stark geblutet, dass einer farbenblind geworden ist? Das Ganze ist ein Graus. Die Farbe, der wir im Alltag am meisten begegnen, ist nunmal Gelb. Uringelb, um genau zu sein. Wahlweise Kackbraun. Ich würde mich privat weigern, Braun, Gelb und Blau zusammen zu tragen. Ich würde mich mittlerweile auch dienstlich weigern. Die Schnitte zu den Kasaks und Jogginghosen mit Bindegürtelchen innen würden Joop in den Wahnsinn treiben. Lagerfeld sagte mal: wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Und er hat recht. Bei im Durchschnitt 50 Stunden pro Woche kann keiner von Kontrolle über sein Leben sprechen, wenn er morgens um 4:00 aus dem Bett kraxelt um dann sein Frausein-Mannsein in einen blauen oder weißen Hosensack zu stecken. Es reduziert einen einfach auf ein uniformiertes Wesen, das dazu geboren ist, im Nichts des weißen Heeres zu verschwinden. Da kriege ich die weiße Wut. Manche Kliniken haben als modischen Chick eine farbliche Ecke in der Dienstkleidung. Ich nannte sie Aktionsecke. Rosa für die Schülerinnen und Schüler – ROSA- und Mint für die Examinierten. Kau dich frisch. Es ist und bleibt ein Gau und jeden Morgen gehen also in eine Klinik ca. 300 Individuen, um dann in einem Einheitsbrei an Jogginghosen ihren Tag zu verbringen.

Man kann das aufpeppen. Eine Klemme an der Kitteltasche sorgt neben der Griffbereitschaft in Hüfthöhe auch für ein gewisses Glitzern. Gleichzeitig ist es eine Warnung an Arschgrapscher und Konsorten: Du kannst und wirst Dir hier wehtun, Burschi.

Socken und Schuhe: Was ich in meinem Leben an verzweifelten Versuchen unternommen habe, ein ganz minibisserl Privatheit an meinen Körper zu bekommen, geht auf keine Kuhhaut. Weihnachtssocken. Ostersocken. Mit lustigen Hasen und Rentiernasen und Glöckchen. Ich sag Euch eins: wenn sie nicht mehr weiterwissen, dann kommen sie Euch mit Hygiene. In einer Klinik, die auf durchscheinende Wäsche steht, wurde angeordnet, dass die Schwestern in weißer Unterwäsche zu erscheinen hätten. Tataaa- fast wären wir NICHT im praktischen Einheitsschlüppa zum Arbeiten erschienen. Na, den Flitz haben sie uns ganz schnell ausgetrieben. Ob man sich beschwert hat? Ja. Ich habe dann trotzig Schwarz und Rosa getragen.

Schuhe. Vom Clog, über Federschuhe, orthopädische Rückenschützer, Latschen in allen Farben und Formen (NEIN, Birkenstock ist NICHT sexy! NEIN! auch nicht mit Schafkopf links und Schafarsch rechts!) und auch Turnschuhe. Ich sags Euch: es ist nichts Hübsches dabei. Die Abartigkeit total hingegen sind Moosgummischuhe mit – Privatheitsversuch 281616- kleinen Ansteckern dran. Ja, ich rede von Crocks. Eine Zumutung, in den Dingern auf eine Leiter zu steigen oder zu laufen. Und die meisten Kollegen schlurfen mit Crocks und Latschen über den Gang. Das Geräusch macht mich aggressiv. Heb doch die Botten, blöde Kuh! Es macht sich überdies auch keiner eine Vorstellung, wie alte Schuhe in Umkleidekabinen stinken.

Accesoirs: Na, wer von Euch hat auch die Taschen voller Kleinzeug? Braunülen, mit denen man eine ganze Fußballmannschaft versorgen könnte, Pflaster für alle Größen und auch ne Rolle braunes Pflaster an der obligatorischen Schmuckklemme. Ich befürchte: das ist einfach der Versuch, den Busen durch Vollstopfen der Brusttaschen größer zu machen. Es ist aber auch der erbauliche Versuch, seinen Rücken beim Bücken zu schützen. Nach vorne bücken – das macht man genau ein einziges Mal. Bis man dann den ganzen Kram wieder aufgehoben hat, hat man verinnerlicht, dass man lieber in die Knie geht. Ich hatte mal eine Kollegin, die TG als Socken trug. Ich finde, das ist kein Ausweg.

Patienten: Ich habe stets betont, wenn es Quengeleien gab, dass das Nachthemd scheisse aussähe, dass es sich hier um ein Frühwerk eines bekannten Designers im Alter von drei Jahren handelt. Ich habe gelogen.Eigentlich, still und heimlich, verlangen meine Augen bis heute Schmerzensgeld für den Anblick. Den Anblick von Millionen schamlos rausgestreckter Ärsche aus dem weißen, kleinblumigen Zwirn. ALDA! Es gibt da ein zweites Bänsel, das können die ruhig benutzen. Es ist auch ohne korrektes Anziehen schon genug.

Accesoirs: Ich habe nicht gezählt, wie oft sich Leute ihren Urinbeutel vom Dauerkatheter an die Morgenrocktasche steckten. Ich will dann aber kein Geheule über die Blasenentzündungen beim Rücklaufen des Urins. Und auch Netzschlübba sind keine Alternative. Ich habe dafür die Verbesserung noch nicht gefunden. Finde aber, dass ein Schlafanzug eine wundervolle Sache sein kann. Früher haben die sowas sogar verkauft. Sogar vor 30 Minuten noch. Antithrombosestrümpfe runtergerollt: doch, passiert, sieht aber auch nicht sexier aus. Ist zudem auch nicht hilfreich.

Fazit: Als Modeblogger im Klinikbereich gäbe es eine Menge zu tun. Bis das Projekt endet, empfehle ich die dunklen Bergsteiger-Sonnenbrillen. Dann musste das Elend wenigstens nicht sehen.

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