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monjaschuenemann

Altenteil

Mutterschaft und Studium neigen sich dem Ende zu, und es steht die große Frage an: wie soll es denn aussehen, das Leben danach? Sicher, wir könnten einfach so weitermachen, wie bisher, das leere Nest bewachen, bis zu den großen Feiertagen mal jemand klopft, der etwas zu Essen und gewaschene Wäsche haben will. Sicher, ich könnte einen zweiten, dritten, vierten Master machen und Gräzistik studieren – da hätte ich mal wirklich was zum Verzweifeln.

Wir haben dann mal beschlossen: das wollen wir nicht. Wir wollen was anderes. Zuerst war es einfach nur ein spinnerter Gedanke: vielleicht gar nicht hier wohnen bleiben. Derzeit sind wir in der Recherche für ein neues Daheim. Unglaublich anstrengend! So ein Haus ist wie ein Kleid – aber eben ein gebrauchtes. Das hat schonmal einer getragen, der hatte meist einen anderen Geschmack. Ich könnte mir gut vorstellen, am Morgen eine Runde in einem Pool zu drehen – der Schulter wegen – und mein Mann könnte sich gut vorstellen, dass ich ein Ding an der Waffel habe – Technik ist im Endeffekt nämlich nicht so unsers. Ich könnte mir gut vorstellen, im Winter meiner „Was anzünden“-Leidenschaft nachzugeben: ein Kamin wäre schön. Ruhe wäre schön. In Ruhe schreiben wäre toll. Wieder Sporten – die Schulter verhindert größeren Ruhm – wäre schön. Jetzt, wo ich keine Verantwortung mehr habe, wäre Motorradfahren wieder schön. Das habe ich mir nach meinem Unfall damals verboten. Minirock ohne Beine – das sieht blöd aus und man sollte es vermeiden. Ich war damals zu blöd, von ABS auf Normalbremse umzusteigen – und stieg nicht mehr auf. Sicher ist sicher. Ich hatte ja Kinder.

Ich habe Hunderte Häuser gesehen in den letzten Tagen. Mit Ankleidezimmer (und rotem Thron dafür, hinsetzen beim Strümpfeanziehen – wie charmant) und ohne, mit zig Treppenhäusern und ebenerdig. Mit 1-12<-!! Bädern. Man ist ja nicht verrückt – zum Putzen reicht schon EIN Bad völlig. Wohnen hat eindeutig mit der Frage zu tun: wie will ich leben? Wie wollen WIR leben? Was BRAUCHT und was WILL man? Auch die Toscana war im Rennen – ganz kurz. Einfach abhauen. Rennen allerdings wollte ich dann in die nächste deutschsprachige Bib nicht über zig Kilometer. Reisen wäre schön: schwachsinnig, denn ich werde reisen müssen, um meine Aufgabe zu erledigen. Langweilig ist das alles jedenfalls nicht. Ein neues Leben muss her. Ein spannendes. Es wird nie langweilig, wenn man es nicht will. Wir haben jetzt etwas im Auge: es hat ein Bad im Erdgeschoss: man bleibt ja nicht immer mobil.

Die Mutter aller Beschwerden…was ist das für 1 Kaffee von der Stärkigkeit her? 1920er

Neulich habe ich beim Durchforsten von Akten aus einem Krankenhaus, das es nicht mehr gibt, entzückende Funde gemacht (auch nicht entzückende, aber dazu viel später). Ich fand einen Ordner mit der Bezeichnung „Beschwerden“. Wer mich kennt, weiß, dass ich bei solchen Recherchen so in den 20ern unterwegs bin. Was mag es da zu meckern gegeben haben? Früher war doch alles besser? 😉

Ich fand die Mutter aller Beschwerden und möchte sie Euch nicht vorenthalten:

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„Am Sonntag den 9. cr. besuchte ich meinen Sohn, welcher auf Station 20 hoffnungslos danieder liegt. Mein Sohn beklagte sich darüber, dass selbigem der Kaffee nicht stark genug gekocht sei. Nach der Sprechstunde sprach ich diesbezüglich mit der Schwester, und bat höflichst, man möge doch den Wunsch meines Kindes nachkommen und entsprechenden Kaffee kochen. Im sehr schnipfigen Tone wurde mir von der Schwester gesagt, mein Kind hätte bemerkt, was ist denn das für eine Jauche (sei), jetzt muss der ganze Saal darunter leiden, persönliche Wünsche werden nicht mehr berücksichtigt.Ich bin derartige Ausdrücke von meinem Kinde nicht gewöhnt. Sollte aber dieser Ausdruck gefallen sein, so nehme ich selbigen zum Bedauern meines Kindes zurück. Ich gebe zu, dass der Dienst einer Krankenschwester des öfteren besonderer guter Nervenstärke erfordert, sowie das private Kaffekochen nicht gestattet ist. Aber ich meine trotzdem, dass man einem Kranken, dessen letzte Tage gezählt sind, nichts verübeln darf und zumal der Appetit bei meinem Kinde sehr schlecht ist, doch diesem Wunsch nach starkem Kaffee getrost nachkommen dürfte. In Beetz-Sommerfeld…..“ Es folgt der Tipp, die Schwester soll doch lieber am Markt Obst verkaufen.

Aka: suchen Sie sich doch einen anderen Job, wenn Ihnen dieser nicht passt.

Gehen wir logisch vor. Das verwöhnte Balg, das sicher schon 35 Jahre war, hat Sonderbehandlung gefordert, sie bekommen und ist dann rotzig geworden. Die Schwester hat sich über alle Regeln hinweggesetzt und den Kaffee gekocht.

A) für das Übertreten der Regeln hat sie Ärger bekommen

B) für diese Beschwerde hat sie Ärger bekommen

C) Gehalt gab es zu diesem Zeitpunkt nicht für Schwestern.

Wir folgern: an Dreistigkeit ist die Mutter aller Beschwerden kaum zu überbieten. HÄTTE die Schwester am Stand Obst verkauft, dann hätte sie wenigstens Feierabend gehabt, Obst nölt nicht rum, Geld hätte es gegeben und der Junge trotzdem keinen Kaffee.

Wir folgern weiter: Der Kaffee ist nicht stark genug scheint die alte Variante von: Was ist das für 1 Kaffee vong der Stärke her? zu sein. Über die anderen Fehler lasse ich mich mal nicht aus. Ich saß also im Archiv und hatte – stellvertretend für die Kollegin- eine unfassbare Halskrause mit Aortenpuckern. Ich habe dann meinen Impuls unterdrückt, die Nachfahren zu suchen und sie zu fragen, wie es dem Herren Urahn dann erging.

So sehr ich es immer wieder bedauere, dass Pflege so wenig Dokumente hinterlässt: für meine Kollegen, die sich in 100 Jahren mit Beschwerden befassen, habe ich etwas hinterlassen. Im Internet steht eine seitenlange Beschwerde über mich. Grund: ich hatte Frühdienst, zwei Nachfolgedienste sind ausgefallen und ich musste 27 Stunden bleiben. Mit Kids allein daheim. Man brauch nicht viel Talent, um zu wissen, dass ich am nächsten Morgen fast aus den Latschen gekippt bin. Ich „hatte einfach die ganze Zeit keine gute Laune!“ Das verführte zu einem Auftritt der Superlative. Und dem Tipp, wenn ich meinen Beruf nicht mögen würde, dann solle ich mir einen anderen Job suchen.

Letztlich habe ich das getan.

Ich arbeite jetzt keine 27 Stunden mehr am Stück.

Wer mal darüber lachen möchte: hier meine liebe Freundin Inge, die Euch auch was zum Thema zu sagen hat!

 

Einfache Wahrheiten, die Du nur kennst, wenn Du in der Pflege arbeitest…

Wahrlich. Wie will man ernst genommen werden, wenn man seine Sprache und sein Verhalten den Laien anpasst? Und es gibt eine Menge Wahrheiten, um die sich Pflegewissenschaft nie gekümmert hat. Wer also auf der Suche nach einer Bachelor-Master-Doktor-Thesis ist, den bitte ich um Erklärung folgender Phänomene:

  • Egal, wohin Du kommst. Der dunkle Waschlappen ist immer „für unten“. Weshalb ist nie der bunte, helle, lustige Waschlappen „für unten“? Ich mein, „mit unten“ kann man ja ne Menge Spaß haben. Weshalb also sehen diese Körperteile nie die fröhlichen Lappen? #bunteLappenandieLippen #yolo
  • „Oh mein Gott! Liegt er im künstlichen Koma??“ *Panik. „Nee, der liegt in der Langzeitnarkose!“ „Ach so, dann ist ja gut!“…. Sind wir eigentlich bekloppt, das so zu übernehmen? „Künstliches Koma“. Was ist dann bitte ein natürliches Koma? Das ist, wenn Dir die Arterien im Schädel durchgeknallt sind, Du ein SHT hast, etwas Furchtbares passiert ist. Weshalb also meinen wir, dass die Begrifflichkeit „künstliches Koma“ weitergeführt werden sollte? Das ist doch nur arschiger Laienbullshit, der Angst macht.
  • Ähnlich dusslig ist: er ist künstlicher Bluter. Welcher Arzt hat sich das ausgedacht? Welche Vollidioten haben das verbreitet? Es fehlt kein Gerinnungsfaktor. Alles wird gut, wenn man sich schneidet, es muss niemand verbluten (im Normalfall). Es ist auf jeden Fall besser, als eine verstopfte Herzkranzarterie.
  • Ich erwarte, dass jemand eine Statistik aufstellt. Ich habe folgende These: Je weniger sich die Arschkrampenverwandtschaft beim Patienten im letzten Jahr hat blicken lassen, desto wahrscheinlicher die Beschwerde. Das nennt man „Reziproportionalität“. Keine Beschwerde sollte dazu dienen, das eigene miese Gewissen, weil man sich bei Mama-Papa-Oma-Opa ewig hat nicht blicken lassen, zu verringern, in dem man seine widerliche eigene Unvollkommenheit auf die Profis abwälzt.
  • Es ist eine Notfallklingel. NOTFALL. Eine Station ist kein verdammtes Flugzeug, Schwestern sind keine Stewardessen. Wenn Sie das wollen, schiffen Sie sich auf der AIDA ein. Wahlweise auf der Airforce-One.

Letztens gab es einen Bericht über die Kollegen im Urban. Die werden bespuckt, mit Prügel bedroht und gar beleidigt. Alles hat Grenzen, liebe Gesellschaft. Liebe Pflege: diese Grenzen setzt Ihr selbst. Es gibt soviel political correctness im Sprachgebrauch. Fangen wir wieder damit an. Kein „Bitte“-keine Leistung. Service wird übrigens im Hotelbetrieb bezahlt. Nur in der Klinik darf sich jeder so benehmen, als hätte er sich grade mit 10 Millionen in den Konzern eingekauft. Das ist fatal.

UND VERGESST DIE HELLEN WASCHLAPPEN NICHT!

Wie man sich bei Krankenschwestern richtig bedankt, oder: Danke heißt..Merc(HALT DIE FRESSE!!!)

Wenn wieder ein Artikel über die Minderbezahlung von Pflege erscheint, dann sind sich alle einig: Krankenschwestern (und ich meine immer auch Pfleger) sollten mehr Anerkennung und Wertschätzung bekommen. Wenn es dann aber so weit kommt, dann hapert es oft mit der Wertschätzung. Dabei kann es relativ einfach sein. Hier mal eine fröhliche do and dont Liste für das Danke nach dem Krankenbett.

Meine Favoriten: 

  • ein Scheich hat uns jeden Tag mit seinem Butler eine besondere Torte aus dem KaDeWe kommen lassen. Er hatte seine diebische Freude daran. Die Torten waren mit Blattgold belegt. Wir waren verzweifelt, weil unklar war, ob man das essen kann. Man konnte, es zerfällt einfach zu Staub
  • Ein Weinbergbesitzer ließ eine Palette Wein abladen.
  • Ein Pfarrer enterte unsere Intensiv und sein Chor sang aus dem Weihnachtsoratorium ❤

Was ich und viele Kollegen nicht ertragen:

  • Merci. Glauben Sie mir bitte. Die Jahre nutzen die Geste ab!
  • Kaffee.
  • Selber gebackener Kuchen. Ich kenne einfach zu viele Haushalte, in denen man die Küche vom Klo schwer unterscheiden kann. Man wird das Stück danke sagend in den Müll werfen.

Es ist ja eigentlich nicht so schwer. Es ist für jeden Anlass und Geldbeutel möglich, sich erkenntlich zu zeigen.

Eine Regel.

Wenn Sie über die Rettung reingekommen sind: die haben Ihr Leben gerettet. Die geilen Sahnetorten kriegen trotzdem nur die Stationen. Das ist doch so unfair. Selbst, wenn Sie die Torte in der Mitte durchhacken, wäre es einfach fair. Rettungsstellenschwestern sind unheimlich neidisch auf die Stationen, die immer die niedlichen Babybilder haben, wo immer alle irgendwas hinschleppen. Das ist wie mit den süßen Delphinen, die immer alle süß finden. Die Seepferdchen finden das blöde!

Für den kleinen Geldbeutel:

  • das Billigste ist ein ehrliches DANKE. Auch, wenn Sie es nicht glauben: ein Lob, das ehrlich gemeint ist, tut einfach gut
  • auch selber gebastelte Karten kommen gerne und gut an. Die hängen wir sogar auf. Ja, wir geben an, wenn wir gelobt werden.
  • Schreiben Sie doch einfach mal eine email, wie GUT sie das Team fanden. An die PDL. Was glauben Sie, wie das runtergeht wie Öl auf der Morgenbesprechung.

Für den mittleren Geldbeutel:

  • wir sind Frauen. Wir mögen Blumen. Sogar im Stationszimmer. Torten kommen immer gut an. Es muss keine Blattgoldauflage sein. Ihr Stadtbäcker kann Ihnen helfen, oder die Tiefkühlabteilung. 30 Damen und Herren für 6 Euro glücklich machen – versuchen Sie das unterm Weihnachtsbaum.
  • Täglich desinfizieren wir unsere Hände mit diesem Zeug. Vielen springen die Hände davon auf. Spendieren Sie ihrer Schwester oder dem Team doch eine Tube wirklich gute Handcreme. Das bedeutet auch: passen Sie auch ein bisschen auf SICH auf. Ich will hier keine Werbung machen, aber Pflege weiß grundsätzlich, wie gut oder schlecht Cremes sind. Nehmen Sie ne WIRKLICH gute. LÓccitane oder etwas Bio. Rosenöl wird geschätzt.
  • Ein Raumduft. Da haben alle was davon. Aber bitte nicht „Zitrone“, das erinnert so an Klostein. Und Sie wissen ja: Fäkalien, davon haben wir genug.

Für den großen Geldbeutel:

  • Pflegende leben statistisch kürzer als andere Berufe. Helfen SIE doch ihrem Team, länger zu leben. Bestellen Sie einen Obstkorb. Sie haben noch nie gesehen, wie sich die Mädels über ne Ananas im Dienst freuen.
  • Krankenschwestern gehören zu den belesensten Frauen. Büchergutscheine gehen immer. Oder Karten für ne Lesung. Auch Musik-CDs werden gerne genommen.
  • Sprechen Sie mit dem Physiotherapeuten, was eine interne Massage kostet. Der Rücken Ihrer Primarynurse wird es Ihnen danken. Und Sie werden über die internen Preise staunen.

Da war doch wohl sicher was für Ihre Lieblingsschwester und das Team dabei? Ich habe in meinem Leben übrigens 30.000 Patienten gerettet. Es kam nie einer zu uns zurück und sagte: ey, Danke.

Klinikhemden sexy tragen..

AEDL 7: sich kleiden können. Kennt jeder. Sich kleiden können, sagt aber auch aus: wie man will.  An meinem 17. Geburtstag war Schluss damit. Ich kam für 23 Jahre ins Krankenhaus. Krankenhaus – das ist der Hort der Modehölle. Es gibt ja mittlerweile Modeblogger und Modevlogger. Die bekommen einen Haufen Geld dafür, den anderen zu sagen, wie man sich schick und modisch anzieht.

Hier meine Tipps für 1,5 Millionen Krankenschwestern und ihre Patienten.

Farben und Schnitte: 

Es ist allgemeingültige Logik, dass Schwestern Weiß tragen. Hosen heute. Manche tragen auch Babyhellblau. Das ist echt nicht witzig, denn es steht nicht jedem. Begründet wird das mit der Hygiene. Kein Mensch kann erklären, weshalb die dann auf der Intensiv Gelb, Blau und Grün tragen. Ja, wegen der Farbenblindheit. Hand aufs Herz: wann hat es auf der ITSE das letztemal so stark geblutet, dass einer farbenblind geworden ist? Das Ganze ist ein Graus. Die Farbe, der wir im Alltag am meisten begegnen, ist nunmal Gelb. Uringelb, um genau zu sein. Wahlweise Kackbraun. Ich würde mich privat weigern, Braun, Gelb und Blau zusammen zu tragen. Ich würde mich mittlerweile auch dienstlich weigern. Die Schnitte zu den Kasaks und Jogginghosen mit Bindegürtelchen innen würden Joop in den Wahnsinn treiben. Lagerfeld sagte mal: wer Jogginghosen trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Und er hat recht. Bei im Durchschnitt 50 Stunden pro Woche kann keiner von Kontrolle über sein Leben sprechen, wenn er morgens um 4:00 aus dem Bett kraxelt um dann sein Frausein-Mannsein in einen blauen oder weißen Hosensack zu stecken. Es reduziert einen einfach auf ein uniformiertes Wesen, das dazu geboren ist, im Nichts des weißen Heeres zu verschwinden. Da kriege ich die weiße Wut. Manche Kliniken haben als modischen Chick eine farbliche Ecke in der Dienstkleidung. Ich nannte sie Aktionsecke. Rosa für die Schülerinnen und Schüler – ROSA- und Mint für die Examinierten. Kau dich frisch. Es ist und bleibt ein Gau und jeden Morgen gehen also in eine Klinik ca. 300 Individuen, um dann in einem Einheitsbrei an Jogginghosen ihren Tag zu verbringen.

Man kann das aufpeppen. Eine Klemme an der Kitteltasche sorgt neben der Griffbereitschaft in Hüfthöhe auch für ein gewisses Glitzern. Gleichzeitig ist es eine Warnung an Arschgrapscher und Konsorten: Du kannst und wirst Dir hier wehtun, Burschi.

Socken und Schuhe: Was ich in meinem Leben an verzweifelten Versuchen unternommen habe, ein ganz minibisserl Privatheit an meinen Körper zu bekommen, geht auf keine Kuhhaut. Weihnachtssocken. Ostersocken. Mit lustigen Hasen und Rentiernasen und Glöckchen. Ich sag Euch eins: wenn sie nicht mehr weiterwissen, dann kommen sie Euch mit Hygiene. In einer Klinik, die auf durchscheinende Wäsche steht, wurde angeordnet, dass die Schwestern in weißer Unterwäsche zu erscheinen hätten. Tataaa- fast wären wir NICHT im praktischen Einheitsschlüppa zum Arbeiten erschienen. Na, den Flitz haben sie uns ganz schnell ausgetrieben. Ob man sich beschwert hat? Ja. Ich habe dann trotzig Schwarz und Rosa getragen.

Schuhe. Vom Clog, über Federschuhe, orthopädische Rückenschützer, Latschen in allen Farben und Formen (NEIN, Birkenstock ist NICHT sexy! NEIN! auch nicht mit Schafkopf links und Schafarsch rechts!) und auch Turnschuhe. Ich sags Euch: es ist nichts Hübsches dabei. Die Abartigkeit total hingegen sind Moosgummischuhe mit – Privatheitsversuch 281616- kleinen Ansteckern dran. Ja, ich rede von Crocks. Eine Zumutung, in den Dingern auf eine Leiter zu steigen oder zu laufen. Und die meisten Kollegen schlurfen mit Crocks und Latschen über den Gang. Das Geräusch macht mich aggressiv. Heb doch die Botten, blöde Kuh! Es macht sich überdies auch keiner eine Vorstellung, wie alte Schuhe in Umkleidekabinen stinken.

Accesoirs: Na, wer von Euch hat auch die Taschen voller Kleinzeug? Braunülen, mit denen man eine ganze Fußballmannschaft versorgen könnte, Pflaster für alle Größen und auch ne Rolle braunes Pflaster an der obligatorischen Schmuckklemme. Ich befürchte: das ist einfach der Versuch, den Busen durch Vollstopfen der Brusttaschen größer zu machen. Es ist aber auch der erbauliche Versuch, seinen Rücken beim Bücken zu schützen. Nach vorne bücken – das macht man genau ein einziges Mal. Bis man dann den ganzen Kram wieder aufgehoben hat, hat man verinnerlicht, dass man lieber in die Knie geht. Ich hatte mal eine Kollegin, die TG als Socken trug. Ich finde, das ist kein Ausweg.

Patienten: Ich habe stets betont, wenn es Quengeleien gab, dass das Nachthemd scheisse aussähe, dass es sich hier um ein Frühwerk eines bekannten Designers im Alter von drei Jahren handelt. Ich habe gelogen.Eigentlich, still und heimlich, verlangen meine Augen bis heute Schmerzensgeld für den Anblick. Den Anblick von Millionen schamlos rausgestreckter Ärsche aus dem weißen, kleinblumigen Zwirn. ALDA! Es gibt da ein zweites Bänsel, das können die ruhig benutzen. Es ist auch ohne korrektes Anziehen schon genug.

Accesoirs: Ich habe nicht gezählt, wie oft sich Leute ihren Urinbeutel vom Dauerkatheter an die Morgenrocktasche steckten. Ich will dann aber kein Geheule über die Blasenentzündungen beim Rücklaufen des Urins. Und auch Netzschlübba sind keine Alternative. Ich habe dafür die Verbesserung noch nicht gefunden. Finde aber, dass ein Schlafanzug eine wundervolle Sache sein kann. Früher haben die sowas sogar verkauft. Sogar vor 30 Minuten noch. Antithrombosestrümpfe runtergerollt: doch, passiert, sieht aber auch nicht sexier aus. Ist zudem auch nicht hilfreich.

Fazit: Als Modeblogger im Klinikbereich gäbe es eine Menge zu tun. Bis das Projekt endet, empfehle ich die dunklen Bergsteiger-Sonnenbrillen. Dann musste das Elend wenigstens nicht sehen.

Advent, Advent…

Morgen ist es soweit. Mir persönlich ist ja völlig egal, wie alt ich bin. Ich brauche einen Adventskalender.

Man geht ja durch Veränderungen. Früher war ja hinter der Schoki immer ein buntes Bild. Das haben sie dann wegrationalisiert. Dann war da nur noch die Schoki, die die Form relativ sinnlos machte. Glitzer gabs schon vorher nicht mehr. Früher war halt mehr Lametta. Irgendwann wurde es dann blöd, weil auch die Bilder vorne auf den Kalendern nicht mehr der Burner waren. Oder ich war halt zu alt und habe mich erinnert und die Bilder nicht vergessen.

Dann wird man erwachsen und der Stress kommt. Mir soweit egal-ein Kalender muss her. Mein Mann hat lange einen gebastelt. Ich fand das total süß aber es ist ja immer zu viel in diesen kleinen Nikolaussocken.

Die Lösung ist da (auch ein Geschenk von meinem Mann): ein Kalender NUR mit Bildern. Fra Agelico, Giotto… das wird wunderschön.

Ich habe sogar schon Stolle gebacken und verschickt.

stolle

Weihnachten ist toll! Ich werde ganze drei Tage frei haben. Ich muss nichts arbeiten, ich muss nichts regeln. Ganze drei Tage lang. Sitzen, reden, den Geruch von Tanne und Gänsebraten, Weihnachtslieder singen … das wird toll.

Einen schönen Advent wünsche ich Euch. Besinnlichkeit. Fernab von Glühweintrubel und Geschenkejagd. Viel Ruhe…

Ein Jahr als OP-Schwester 1926

Heute habe ich ein OP-Buch von 1926 durchgearbeitet (und 36-38). Ihr wisst schon, die lästigen Teile, die früher der unsterile Springer bepinselt hat. Uff. 21.09.26. Frau Schnellbügel… der Name ist Programm, hat eine Haarnadel in ihrer Harnröhre. Leider so hoch geschoben, dass nur eine Sectio alta hilft. Ich finde Lokalanästhesien. Bei Anus praeter Anlagen, bei Schädeloperationen, bei Rückenmarksoperationen und bei Billroths! Mir wird übel beim Lesen. Ein Doktor, der sich wohl verletzt hat, lässt sich aber für ne Kleinigkeit Äther geben. Ich finde Aborte, unfassbar viele Aborte.. sicher 700. Ich finde auch „Nadel in Vagina“ – und es ist klar, was das bedeutet. Logisch, es ist ja 1926. Die Leute haben kaum Geld. Ich finde einen Mann, dem sie das Rektum in Lokaler amputiert haben. Ich finde Einträge, da hat das Team kaum Zeit, die Seiten umzublättern, Nachträge. Alles muss sehr hektisch gewesen sein.  Ich finde Betriebsunfälle von Krankenschwestern. Eine ist mit der Urinflasche aus Glas ausgerutscht. Die ganze Hand und die Sehnen sind zerschnitten. Eine andere hat einen Abszess im Gesicht. So viele Infektionen auf der Onko, sagt sie. Die Charité verneint das. Beide arbeiten wieder in einem Zustand, als die eine die Hand nicht öffnen und schließen kann und die andere noch die Tamponade im zerschnittenen Gesicht hat. Keine hat noch Familie, heiraten dürfte man auch nicht. Ich finde Loyalität. Viele Kolleginnen unterschreiben als Zeugen die Berichte. Ich finde einen Mann, den sie eingewiesen haben, weil er Stimmen hört. Ein Dialog ist angehängt. Das Aufnahmegespräch. Nach dem, was er berichtet, gehören wir alle in die Klapse. Er machte sich Gedanken um die Zukunft. Dafür wird er nach Kladow gebracht , was er nie mehr verlassen wird. Die Archivarin tröstet mich: „Läuft heute nicht gut, hm?“ Ich sage, nee, heute nicht. „Archiv halt“ sagt sie. Morgen weiter. Ich kann fast das Karbol riechen… Für heute reichts.

Brücke

Ich hab Lust auf ein Einzelbild.

Elternabende-ein Hassblog

+++++ es ist möglich, dass dieser Blog unangemessene Worte enthält++++

Auf der Abiturfeier meines Jüngsten habe ich gestrahlt wie ein Honigkuchenpferd. Ich möchte erzählen, weshalb. Es war nicht das vermaledeite Reifezeugnis, das mich so zur inneren Ekstase brachte. Es war ein geheimer Gedanke. „Ich muss Euch geistige Flachwurzler nie wieder ertragen! Gott sei Dank!“ Achtzehn Jahre Elternabende..und ich habe jeden Einzelnen von ihnen gehasst wie die Pest. Ich hatte vor Freude fast Tränen in den Augen.

Im Kindergarten wurden Elternabende als Bastelabende getarnt. Gerne vor Ostern und vor Weihnachten mussten wir Körbchen und Raumschmuck aus Pappe schneiden und zusammenkleben, die die Kinder dann – ups, son Zufall, hier war der Weihnachtsmannosterhase schon, ei schauuuuu- geschenkt bekamen. Zwei Kinder machte rechnerisch dreißig Minuten pro Bastelalptraum. Das wäre zu wuppen gewesen. Leider waren es immer die gleichen Bettinasimonehans-peters, die nicht teilnehmen konnten – leider! Also hockten wir Erwachsenen auf den viel zu kleinen Holzstühlchen in abartigen Positionen und klebten im Akkord auch Zeug für all die fehlenden Erwachsenen, wie Chinesen im Gulag. Zack Zack-und die Mentalität musste stimmen. Selbstgebasteltes ist schließlich Liebe und dann musste es Liebe im Akkord sein. Ich möchte es nur mal gesagt haben: es hat mich eigentlich einen Scheiß interessiert, ob die Bruterfolge der abwesenden Betinnasimonehans-peters sich dann an dem Tag die Augen ausheulen. Es war schlicht und ergreifend nicht mein verkacktes Problem. Ich habe Basteln schon als Kind gehasst und es ist mir völlig unklar, mit welcher Dreistigkeit sich Bettinasimonehans-peter nie gefragt haben, welche arme Sau sich in dieser Stunde auf den viel zu kleinen, verkackten Holzstühlchen gequält haben, während ich als Alleinerziehende einen Organisationsspagat sondergleichen hingelegt habe, um diese fucking Körbchen kleben zu können. Vollpfosten!

Laterne-Laterne. Jedes Jahr ein unsägliches Modell (x2) zum Selberbasteln. Und jedes Jahr habe ich die Diskussion verloren. Vor zigtausend Jahren haben unsere Vorfahren in irgendwelchen Höhlen Feuer gezähmt. Seit zigtausend Jahren gehen wir damit um. Unsere Generation hat Computer erfunden und Kunstherzen, digitale Kommunikation und ..is mir auch egal… aber die Kurzen waren nach deren Meinung zu dämlich, den Umgang mit einer stinkbanalen Kerze zu handhaben. Zu gefääährlich! Die selben Pfeifen, die am Morgen noch vor der Kita den Unterschied zwischen Vollkorn-und Vollwertbrötchen debattiert hatten und Biomöhren aus ökologischem Anbau in einem Gewächshaus in Holland eingepackt hatten, schissen nun auf alle Nachhaltigkeit. Plastikstock mit Einwegbatterie und Glühbirne. How bizarr, how dämlich. Erziehung ist für mich Ursache und Wirkung. Wer sich nicht angemessen vorsichtig mit seiner Kackscheissdreckinfreizeitgebastelten-Laterne bewegen kann, verbrennt sich (falls er blöd genug ist), die Pfoten. Thats all. Man kann das natürlich vermeiden, indem man auf sein Kind achtgibt. Aber dazu hätte man zum Äußersten schreiten müssen und das schon da verzogene Blach beobachten müssen, statt paffend mit der Nachbarin zu quatschen. Es sind vermutlich die gleichen, die sich heute fragen, wie denn das ganze Plastik ins Meer gekommen ist…. und ihren Enkeln einen schicken neuen Plastikstock mit Einwegbatterie kaufen-jetzt auch im Disney-Design.

Zum ersten Halloween lief uns der Pfarrer nahezu Amok. Er wollte nicht, dass seine Kinder ein heidnisches Fest feiern. Hey, Theologentrottel: all hallows! Allerheiligen. Schon klar, warum es immer nur diese Popelpfarrei wurde. Aber tolerant erzogen werden sollten die Kinder schon -nur halt christlich. Fundamentalismus pur. Wir mussten dann das Fest umbenennen in „Kürbisfest“. Das muss man sich mal reindrehen.Und nein, es war eine staatliche Kita. Jedes Jahr erfreue ich mich deshalb mehr, wenn ich die Dekos in den Läden zu Halloween sehe. Nimm das, Schmalspur-Ned-Flanders! Hah! Ich bin nicht gegen Demokratie. Da, wo sie lebbar ist. Demokratie bedeutet, dass jeder die gleichen Rechte und Pflichten hat. Andere Eltern haben in meiner Familie hingegen keine Rechte und keine Pflichten. Ich war da ganz monarchisch aufgestellt. Eine Stunde meiner Lebenszeit hat mich diese verdammte Diskussion gekostet.

In der Schule waren die einzigen, die langsam vernünftig wurden, die Kinder. Stundenlange Debatten darum, welche Würstchen für das Schulfest angeschafft wurden. Die haben es geschafft, einen Abend lang über den Rest von 30,-DM in der Klassenkasse zu quatschen-bei 30 Kindern macht das, da muss man gar nicht viel können, 1,-DM pro Elternteil. Irgendwann ist mir der Kragen geplatzt und ich habe vorgeschlagen, die Klassenlehrerin, die wir verabschiedeten, möge sich doch bitte für ihre wertvolle Zeit einen Blumenstrauß kaufen. Moralisch konnte das niemand ablehnen. Es kostete einfach mehr Zeit, als diese einzelne Mark (ich betone nochmal – MARK) einfach freizugeben. Diese Frauen hatten einen Radius vom Dorf in die nächste Kreisstadt, wenn die Angebotstage waren. Ich würde gerne mal wissen, was die so lasen. Über die Nebel von Avalon sind die sicher nie hinausgegangen. Sorge Dich nicht – lebe! (und gib diese verdammte Mark endlich frei, ey). Viele dieser Ehen mit diesen Damen sind nach meiner gescheitert. Ich weiß, warum. Die kosten kostbare Lebenszeit für die Debatten um einen Fliegenfurz.

In der Oberschule dann, ja, schon in der Oberschule, fanden die Eltern Bestrafung voll gemein. Die armen Hutziputzis, die ein Halbjahr lang geplantes Event haben platzen lassen, weil es ihnen zu warm war. Die Lehrerin hat geweint. Die Fuzzis liess das trocken. Dass sich ihre Kinder scheiße verhalten hatten, war ihnen moralisch scheißegal. Nur Strafe-das ging einfach nicht. Wo es den armen Hutziputzis doch so warm war. Die Gleichen, die mir einen Abend versaut haben, weil sie den neuen Lehrer bald gelyncht hatten. Der sagte: ich erzähle hier vorne was, da müsst ihr zuhören, sonst kapiert ihr es nicht…… Ich dachte wirklich, die bringen den um.ZUHÖREN? In einer Schule? In der es um Studienreife geht?? DAs geht doch gaaaaaaaanich! Es gibt ja meiner Meinung nach keine Problemkinder-nur Problemeltern. Die Emails der Elternvertreterin waren episch!„Guten Tag, Ihr Lieben..ich sitze hier gerade so auf meiner Terrasse und schaue dem Regen zu… und da dachte ich mir so…“ ….ich dachte, mich flashts. Es hat mich einen feuchten Kehricht interessiert, ob es bei ihr regnet. Ich hatte 4 Beatmete zu betreuen. Konnte die nicht einfach irgendwas putzen oder so?  Und dann dieses nie angebotene „Du“. Und dann wundern sie sich, wenn ihre Kinder nie parkettsicher werden.

Ich bin Euch los. Dafür bin ich sogar auf den Abiball gegangen. Und ich weiß, wenn Ihr ehrlich seid, denkt Ihr das selbe.

 

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