In den Zeiten der Emanzipation kritisierte man, dass Frauen zu Objekten gemacht wurden. Völlig zu Recht. Das perfekte Objekt sah gut aus, und es hatte sonst nicht viel auf der Pfanne. Oder, um es klarer auszudrücken: es war ein bisschen blöd. Nicht zuviel – grad soviel, dass es das Gegenüber sich gut fühlen ließ. Ich dachte, da sind wir drüber, aber jetzt gibt es einen neuen heißen Scheiß.

Zitat:

„Wenn wir nur über unseren Beruf meckern: Ändert sich nichts Wird der Beruf nicht attraktiver Personalmangel stärker. Siehst Du alles in der Pflege negativ, dann such dir bitte einen anderen Beruf oder eine andere Arbeitsstelle. Wenn wir verändern wollen dann gemeinsam Hand in Hand ohne Gemecker sondern mit Motivation für Veränderung.“ <— SIC!!!

Das neue Objekt der Pflege, Sandro Pé, hat es nicht mit Satzzeichen. Es sieht aber einigermaßen gut aus, soll wohl vorwiegend junge (weibliche!!) Menschen ansprechen und für die Pflege motivieren. Es hat nicht gereicht, viele Jahre lang Frauen mit ihrer Frauenrolle am (Pflege)bett zu halten. Nun schicken sie die „one-man-boygroup“ ins Rennen. Alle klatschen Beifall. Weder definiert er „Gemecker“ (=konstruktive Kritik?), noch begreift er, dass es Kritik (LAUTE!) zur Veränderung benötigt. Er ist Pfleger des Jahres, whatever that means. Eine perfekte Projektionsfläche. Noch immer scheinen also Hirn und das Zurschaustellen eines gewissen Bildungsgrades in der Pflege nicht erwünscht zu sein. Man klatscht Beifall dazu. Es gibt keine Frage nach Kompetenzen, nach Visionen. Gefordert wird „Pflege mit Herz“ (also wieder Berufung statt Beruf). Gefördert wird emotionale Erpressung. Als hätten wir nicht schon genügend Burnout-Raten und als würde nicht genau an diesem Spagat zwischen emotionaler Forderung und realistischen Zeitvorgaben die Kreuzung zwischen Pflexit und Burnout bestehen.

Du meckerst über all das? Dann geh! Das ist in meinen Augen widerlich und menschenverachtend. Menschen, nämlich Pflegende. Diese Kampagne dümpelt für mich in den tiefsten Tiefen prähistorischer Froschscheisse von PR. Was sie hilft? Nichts. Es gehen bereits genügend gute Leute. Bereits in den 70ern arbeitete man mit extegrierenden Sanktionen gegen Leute, die den Mund aufmachten. Was soll diese Aussage? Pflege halten nur die Stärksten aus? Pflege ist Fishermans Friends? Ist es zu stark, bist Du zu schwach?

Schwäche zugeben, zuzugeben, dass man nicht mehr kann, nicht mehr hinnehmen will, whistleblowing, sind die Stärken. Nicht die Schwächen. Ein System, das Arbeitende kaputtspielt, darf nie soweit verherrlicht werden, dass die „Schwachen“ ausgegrenzt werden.

Es gäbe 10000 Möglichkeiten, wirklich etwas zu unternehmen, anstatt dort follower zu werden. Wir sind hier mitten im System: easy denken, easy leben. So easy ist es nicht.

Präsentiert wird als Ikone, an der sich Pflegende orientieren sollen, eine Art von „Verona Feldbusch des Steckbeckens“.  Die Idealkraft hat es nicht mit Grammatik, pflegt aber mit Herz und bemüht sich, gut auszusehen. DAS ist der Fortschritt Eurer Generation?? Gab es niemanden der ASFH, den man hätte aufbauen können? Wen, der wirklich etwas KANN?

Leute, dafür ist NIEMAND von uns damals aufgestanden.

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