Staatssekretärin Chebli fühlt sich sexistisch belästigt. Jemand nannte sie „jung und schön“. Ich möchte das nicht bewerten. Weil? Weil ich weiß, dass diejenigen, die sich oft mit Genderperspektiven auseiandersetzen und diejenigen, die das nicht tun, oft nicht verstehen. Der Durchdringungsgrad ist nicht sehr hoch. Gleichwohl, sie fühlt sich sexistisch belästigt – wer bin ich, dass ich ihre Gefühle in Frage stelle. Unter dem Hashtag #metoo berichten nun Tausende von sexistischen Vorfällen. Mediale Aufmerksamkeit. Ich erwartete ein Statement des DBFK, der Pflegeverbände, der Kammer….. nada.

Dann also ich.

In den 20ern musste man melden, wenn man sexistisch belästigt worden war. Dann bekam man richtig Ärger. Man hatte dem Patienten wohl Anlass gegeben. Damit war man Prostituierten gleichgestellt. Nix mit Schutz – nur mit Schuld. Ich habe dazu sogar gearbeitet. #metoo bevor #metoo. http://www.geschichte-der-pflege.info/archiv/aktuelle-ausgabe/108-ihr-herz-ist-ihr-tarifvertrag-gewesen-kirchliche-personalpolitik-fuer-krankenschwestern-1920-1930-in-der-zeitschrift-krankendienst und war total empört.

2000. In einer neuen, großen berliner Klinik wird angewiesen, dass man nur weiße Unterwäsche tragen darf. Ein riesiger Eingriff in das Persönlichkeitsrecht. Vorgeschoben wird „Schutz“ – das soll ja nicht jeder sehen. Gab es neue, weniger durchsichtige Dienstwäsche? Nein. Schuld hatte, wessen Schlüpper man sah. #metoo! Das wurde von der Pflegedirektion kontrolliert! Beim Bücken! 360 andere too! Und NIEMAND hat was gemeldet!

Unzählig die Male, in denen Patienten mir, statt an die Hüfte, an den Hintern griffen, als sei mein Arsch Teil des Bettgitters und somit der Klinikausstattung. Keine Entschuldigung. #metoo

Ungezählt auch die Frage “ wo denn die langbeinige/blonde/mit den großen Brüsten (das war NIE ich) sei?“ #meandtheytoo

Auch ungezählt, die Klapse auf den Po. Ebenso ungezählt, wenn man sich beschwerte: das ist doch sonst ein netter Mann, das können sie doch nicht machen. Dafür durften sie uns ihre Penisse zeigen, fragen, ob der groß genug sei…. ‚#theytoo.

Ambulanter Bereich. Ein alter Mann lässt täglich eine Schwester kommen – aber eine junge!. Auf die Frage, was sie beim Waschen helfen soll, bekommt sie zur Antwort: den Penis waschen, aber nicht so grob. Schön vorsichtig. Sie rechnete mit Hilfe beim Waschen des Rückens, der Füße. An seine Genitalien kommt er gut heran. Auch motorisch kein Problem. Warum?, fragt sie? Weil ich das zahle! Sagt er. Schön bücken, Schwesterlein. Sie beschwert sich. Es passiert, was passieren muss – sie wird gekündigt. Der Kunde ist König, auch, wenn er nur 7,50,- von der Allgemeinheit zahlen lässt. Was ich dazu sage? Pflegeversicherungsmissbrauchender alter, widerlicher Drecksack. Und alle schauen zu. #shetoo

Die Bundestagswahl ist vorbei. Vergessen sind Sätze vom schweren Beruf Pflege. Auch Sandro Pe rappt nicht zu #metoo. Mutmaßung: eine alte Frau, die männlichen Pflegern an den Hintern greift, gilt postklimakterisch als erloschen. Es gibt kein Problembewusstsein. Die Erziehung des Duldens ist nach wie vor so ausgereift, dass niemand muckt.Niemand berichtet. Gewalt in der Pflege ist immer Gewalt gegen zu Pflegende. Alles andere ist unvorstellbar. Wisst Ihr was?

MENOT! Oder besser: #notwithmefreunde

Der übelste Teil daran ist, dass aktuelle Ereignisse von Pflege losgelöst sind. Niemand bloggt, niemand berichtet, niemand fühlt mit, dass es doch nicht sein kann, dass „jung und schön“ medial Sexismus ist, aber dass Dein „Schutzbefohlener“ Dich behandeln darf, wie vor 100 Jahren. Weil er Kunde ist…. merkste was?

Advertisements